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Celle Stadt Lebensstationen beliebter Melodien
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Lebensstationen beliebter Melodien
18:11 09.08.2010
Ekkehard Popp an der E-Orgel im Altarraum der Neuenhäuser Kirche. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Denn viele der Lieder haben ihren Ursprung in Stundengebeten und Klostergesängen, etwa der fast 1500 Jahre alte Hymnus „Christe qui lux es et dies“. Anschaulich vollzog Popp die Entwicklung von der ursprünglichen Metrik zum Paarreim nach, von der lateinischen Urform des 6. Jahrhunderts über eine Lutherbearbeitung aus dem Jahr 1529 bis zur heute gebräuchlichen Fassung „Christe du bist der helle Tag“ aus dem Evangelischen Gesangbuch.

Besondere Aufmerksamkeit erzielte er mit den populären Liedern „Geh aus mein Herz“ und „Nun ruhen alle Wälder“ aus der Feder von Paul Gerhardt (1607-1676), einem wahren Meister der Sprache. Seine Gedichte sind zugleich literarisch anspruchsvoll und volkstümlich einfach. Das Geheimnis seiner Poesie liegt wohl darin, Dogmen in Bilder, Glaubenswahrheiten in muntere Sprüche und Bekenntnis in Erfahrung zu verwandeln. Verständlich erläuterte Popp an diesen Liedbeispielen die Tradition barocker Rhetorik und die Kunstfertigkeit der Dichtung. Und in einer spannenden Mischung aus Vortrag und Mitmach-Konzert machte er dem Publikum nicht nur die Entwicklung der jeweiligen Melodie verständlich, sondern auch die textbezogene Abhängigkeit, der sie dabei unterliegt. So entschlüsselte er begreifbar den in den Versen verborgenen Kontext von Anschauung und Besinnung, von Sinnbild und Deutung.

Mit der beispielhaft analysierten Schönheit und Sprachkraft des von leisem Abendhauch umwehten „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius (1740-1815) beendete Popp das rund zweistündige Programm. Geradezu inbrünstig intonierte die Gemeinde sodann dieses idyllische Schlaflied, das wohl jeder kennt und das man – wie der Psychoanalytiker Tilmann Moser einmal gesagt hat – immer wie von selbst „mit der Stimme der Mutter in Verbindung bringt“.

Von Rolf-Dieter Diehl