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Celle Stadt Lebhaftes Spiel in Charleys Tante
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Lebhaftes Spiel in Charleys Tante
19:10 15.12.2013
Celle Stadt

Vor rund 120 Jahren geschrieben, gilt Brandon Thomas‘ Komödie „Charleys Tante“ noch heute vielen als die Mutter aller Boulevardstücke. Die stets mittellosen Studenten Jack und Charley benötigen für ein Rendezvous mit Kitty und Anny, beides Töchter aus gutem Hause, unbedingt eine Anstandsdame. Die dafür vorgesehene reiche Tante aus Brasilien allerdings trifft nicht rechtzeitig ein.

Was also tun, wenn die Not groß und guter Rat teuer ist? Zumindest in der Komödie liegt da die Lösung klar auf der Hand: Freund Babberley muss ran und die Tantenrolle übernehmen. Als dann die echte Donna Lucia d‘ Alvadorez doch noch kommt, wird die Sache turbulent. So turbulent, dass sich mancher Premierenbesucher im Celler Schlosstheater sicher mehr als nur einmal fragte, ob etwas weniger nicht vielleicht doch mehr gewesen wäre.

Regisseur Jürgen Kern tat gut daran, die Handlung nicht zu modernisieren, sondern sie mit nur wenigen aktuellen Anspielungen im ausgehenden 19. Jahrhundert zu belassen. Eingebettet in das plüschige Rot der Wände mit recht frivolen Zeichnungen (warum eigentlich?) und mit Blick in einen blühenden Garten (Bühnenbild Wesko Rohde) entfaltet der Komödienklassiker vor dem Hintergrund der strengen Moral im viktorianischen England eine durchaus anregende Wirkung.

Dennoch – so recht in komödiantischen Schwung kommt „Charleys Tante“ im Schlosstheater nicht. Da läuft die Handlung – ziemlich variationsarm und nur allzu oft humorig überdreht – stets in gleicher Stärke und in gleichem Tempo; ein Leise und Langsam scheint es nicht zu geben. Mit demonstrativem Temperament wird gehüpft, geworfen und gesprungen, dass es nur so seine Art hat, das Sprechtempo ist durchgehend hoch, alles schwirrt und freut sich und Übermut herrscht allenthalben.

Zwischen Albernheit, Klamauk und Komik sind die Grenzen eben fließend und was den einen anzieht, mag den anderen stören. Als Francourt Babberley („Babbs“) hat Thomas Wenzel einen starken Auftritt, ohne seine weibliche Rolle klischeehaft allzu sehr zu überziehen. Als Jack und Charley gefallen, unablässig in Bewegung und stets bemüht, Jörg Sascha Gahr und Moritz Gaa. Gleichermaßen keusch und anschmiegsam sind Bianca Warnek als Anny und Jillian Anthony als Kitty. Überaus geschäftig und beflissen gibt sich Ulrich Müller-Hönow als Diener Brassett. Ein zackiger, früher in Indien stationierter Colonel ist Jan-Christof Kick und einen galanten Stephen Spettigue gibt Joannis Zoidis. Als elegante Dame, fernab von allem Getöse, dafür aber mit erstaunlicher Bühnenpräsenz, präsentiert sich Silke Dubilier als Donna Lucia d‘ Alvadorez aus Brasilien. Langer, aber keineswegs begeisterter Beifall am Schluss – auch wenn es zur Premiere noch keine fertigen Programmhefte gab.

Von Hartmut Jakubowsky