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Celle Stadt Leerstände mit Museum verbunden
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Leerstände mit Museum verbunden
11:06 16.12.2016
Celle Stadt

„Ob meine Arbeit politisch ist? Ich denke schon. Andersherum: Was ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht politisch – wenn man davon ausgeht, dass all das Material, all die Information die wir tagtäglich beziehen, uns das Gefühl geben Rückschlüsse ziehen zu können, auf etwas das weithin bekannt ist als unanfechtbare Wahrheit.“ Marie-Claire Delarber kennt sich aus mit unanfechtbaren Wahrheiten, wenn man annimmt, dass Landflucht und das Marode-Werden städtischer Infrastrukturen solche sind. Selbst im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen, konnte die 23-Jährige miterleben, was das Aussterben ganzer Straßenzüge bewirkt – und auch die Chancen dahinter erkennen.

Doch wie lässt sich von dieser Thematik der Bogen zu der rätselhaften Spiegelskulptur ziehen, die im Schatten des „Feuerwerks“ von Otto Piene hinter den Fenstern des Museums rote Buchstaben aufleuchten lässt? „Am Anfang meiner Überlegungen stand der Wunsch, mich mit dem Ort zu beschäftigen, mit seinen Fragestellungen – auch mit den vielleicht unbequemeren, wie den hohen Leerstandszahlen in Celle. Ich wollte die Interaktion mit meinem Kunstwerk über die Grenzen des Museums erweitern, und die Menschen, die Celle zu dem machen, was es ist, Teil meiner Arbeit werden lassen. Deshalb heißt sie „Extreme Expansion“. Sie schafft neue Räume zwischen musealer Inszenierung und alltäglichem Dasein – sowohl konzeptuell als auch sichtbar auf der verzerrten Spiegeloberfläche der Pyramide.“

Aber wofür stehen die vier leuchtenden Buchstaben, die immer wieder flüchtig sichtbar werden? „Jeder Buchstabe ist verbunden mit einem Bewegungssensor an einem Leerstand in der Celler Innenstadt. Wenn ein Buchstabe leuchtet, so hat der dazugehörige Sensor eine Bewegung erfasst und sendet über eine App ein Signal ins Kunstmuseum. Die vier Buchstaben ergeben zusammen das Wort VOLL. Es ist ein Anti-Statement gegen den von kommerziellem Interesse geprägten Begriff „Leerstand“. Durch meine Arbeit entsteht ein Schauplatz, auf dem diese vielfältig miteinander verknüpften Zusammenhänge eine Art Bühne finden.“ Damit all dies vermittelbar bleibt, haben die Besucher im Kunstmuseum die Möglichkeit eine Postkarte mitzunehmen, die zeigt, an welchen vier Leerständen in der Celler Innenstadt Bewegungssensoren zu finden sind.

Marie-Claire Delarber lebt und arbeitet in Köln. Seit 2013 studiert sie an der KHM Köln. (cz)

Diese CZ-Serie legt eine kleine Pause ein. Mit Folge 7 geht es am Samstag, 14. Januar, weiter.

Von Fremdfotos / Texte Eingesandt