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Celle Stadt Lehrermangel an Celler Grundschulen: CDU und SPD werfen sich politische Fehler vor
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Lehrermangel an Celler Grundschulen: CDU und SPD werfen sich politische Fehler vor
16:33 20.06.2017
Von Simon Ziegler
Celle Stadt

"Die Situation an den Celler Grundschulen ist extrem ernst. Die rot-grüne Landesregierung hat zum einen nicht konsequent eingestellt und absehbare Engpässe völlig falsch eingeschätzt", sagte Adasch. Zum anderen habe Rot-Grün "mit der gesetzeswidrigen Anhebung der Unterrichtsverpflichtung für Gymnasiallehrer um eine Stunde und deren Stopp durch das Oberverwaltungsgericht eine riesige Lücke gerissen", die seither nicht mehr ausgeglichen werden könne, erklärte der Landtagsabgeordnete aus Hambühren.

Bei der Unterrichtsversorgung nennt Adasch historisch schlechte Zahlen. "Die Werte für die allgemeinbildenden Schulen sind bei der derzeitigen Regierung so niedrig wie seit der Zeit der SPD-Ministerpräsidenten Gerhard Schröder und Sigmar Gabriel nicht mehr. Auch in den berufsbildenden Schulen lag die Unterrichtsversorgung 2015/2016 im dritten Jahr in Folge bei unter 89 Prozent und damit auf einem ebenfalls historisch niedrigen Wert", so Adasch. Dass nun Lehrer von Oberschulen abgeordnet werden sollen, sei "ein Armutszeugnis der rot-grünen Landesregierung".

Zu ganz anderen Schlüssen kommt der Winser Sozialdemokrat Schmidt. "Die CDU-FDP-Regierung hat ab 2003 die Studienplätze für Lehrer in Niedersachsen gnadenlos zusammengestrichen. Das Ergebnis sehen wir jetzt: Wir haben zu wenig Lehrkräfte auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb haben wir frühzeitig die Zahl der Studienplätze wieder erhöht", sagte er. Schmidt betont, dass durch den Zuzug von Flüchtlingen rund 30.000 Kinder mehr zu beschulen sind. Schmidt: "Dafür haben wir überproportional Lehrkräfte eingestellt."

Die große Mehrzahl der Celler Schulen seien inzwischen Ganztagsschulen und erhielten dadurch mehr Lehrerstunden. "Die Schulsozialarbeit ist jetzt Landesaufgabe, mehrere Celler Schulen haben Stellen erhalten. Ebenso haben wir erst vor wenigen Wochen einen weiteren Baustein unserer 'Zukunftsoffensive Bildung' gestartet: Wir stellen 800 Stellen für pädagogische Fachkräfte für Sprachförderung und Inklusion zur Verfügung", sagte der Sozialdemokrat. Er spricht sich auch dafür aus, es Quereinsteigern leichter zu machen, in den Job zu kommen. Außerdem sollte die Rückkehr von pensionierten Lehrern attraktiver werden.

Es scheint gut möglich, dass der Unterrichtsausfall zum großen Streitthema im Landtagswahlkampf wird. Zu Wort gemeldet hat sich auch der Celler Kreisverband Niedersächsischer Lehrkräfte. "Die Lehrerversorgung wird im neuen Schuljahr aller Voraussicht nach desolat sein. Es bewerben sich in ganz Niedersachsen zu wenig angehende Lehrkräfte für den Primar- und Oberschulbereich. Das liegt zweifelsfrei an der geringen Attraktivität dieser Stellen. Im Übrigen ist die Tendenz, Stellen in Ballungszentren anzutreten, landesweit zu beobachten. Die Regierung hat es versäumt, rechtzeitig gegenzusteuern", sagte der Landesvorsitzende Manfred Busch. Der Plan des Kultusministeriums, zur Sicherung der Unterrichtsversorgung Lehrer aus den Oberschulen an die Grundschulen abzuordnen, sei "völlig abstrus". Die Lehrer an Oberschulen seien auf andere Schüler und Fächer vorbereitet worden als Grundschullehrer.