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Celle Stadt Lehrermangel an Grundschulen im Kreis Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Lehrermangel an Grundschulen im Kreis Celle
09:18 20.06.2017
Von Gunther Meinrenken
Für das kommende Schuljahr zeichnet sich ab, dass viele Grundschulen ihre freien Lehrerstellen nicht besetzen können. Quelle: Julian Stratenschulte
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Viele Schulleitungen halten sich bedeckt. Einige Rektoren von Grundschulen lassen durchblicken, dass sie keinen Ärger mit der Landesschulbehörde haben wollen. Das Thema ist in den Monaten vor der Landtagswahl hochpolitisch. Angela Rath muss darauf keine Rücksicht nehmen. Die langjährige Leiterin der Grundschule Eschede ist gerade erst in den Ruhestand verabschiedet worden. "Vor zehn Jahren hatten wir noch über 100 Bewerber auf eine freie Stelle, vor fünf Jahren waren es noch um die 30. Jetzt hat sich auf die freie Stelle an unserer Schule gerade einmal eine Person beworben und die ist dann letztlich nach Celle gegangen", schildert Rath die bedenkliche Entwicklung.

Doch in der Residenzstadt sieht es nicht besser aus. An der Grundschule Neustadt bastelt Leiterin Tanja Zemke-Knoop daran, wie sie den Unterricht im kommenden Schuljahr mit nur neun statt der vorgesehenen zehn Lehrerstellen abdecken soll. "Bis zu den Herbstferien wird eine Lehrerin zwei Klassen leiten müssen. Dann kommt eine Kollegin aus der Elternzeit zurück", erklärt Zemke-Knoop. Das Problem sei damit nicht gelöst, die freie Stelle müsse unbedingt besetzt werden, denn die nächste Lehrerin sei bereits schwanger.

"Es werden zu wenig Lehrer ausgebildet", legt Friederike Sperling, Leiterin der Grundschule Nienhagen, den Finger in die Wunde. Man müsse den Beruf des Grundschullehrers finanziell aufwerten, fordert sie. Lehrer in die Fläche zu kriegen, sei enorm schwer. Eine Lösung dafür nicht in Sicht. Die Idee, zuerst die Stellen auf dem Land auszuschreiben und dann in den Städten, zündet nicht. Die Anwärter wechseln dann trotzdem oder warten schlicht auf die zweite Bewerbungsrunde.

"Vielleicht sollte man Berufsanfänger aufs Land schicken", schlägt Rath vor. Schon jetzt sei es so, dass man freie Stellen fast nur noch über Lehramtsanwärter besetzen könne, die die Schule schon kennengelernt haben. So ist in Bröckel gelungen, eine Stelle zu besetzen. "Die junge Kollegin fand es an unserer kleinen Schule einfach schön", berichtet Schulleiterin Claudia Stolte. Rath selbst hatte damit kein Glück. Sie habe sogar eine Ausschreibung extra auf die Fächer einer Lehramtsanwärterin zugeschnitten. "Dann hat sie ihre Traumstelle in Hannover bekommen und war weg."

Das Kultusministerium möchte zum jetzigen Zeitpunkt keine Zahlen über unbesetzte Stellen herausgeben. "Das Einstellungsverfahren ist noch in vollem Gange", so die Begründung von Pressesprecher Sebastian Schumacher. Dass man in Hannover nicht mehr daran glaubt, das Klassenziel einer 100-prozentigen Lehrerversorgung an den Grundschulen zu erreichen, zeigt die Tatsache, dass man bereits einen Plan B in die Wege geleitet hat.

Das Schlüsselwort heißt "Abordnung". Eberhard Brandt, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, ist in die Pläne des Kultusministeriums eingeweiht. "Die Oberschulen sollen für ein Jahr Lehrer an die Grundschulen abordnen. Im Gegenzug erhalten die Oberschulen Lehrkräfte von den Gymnasien", erläutert Brandt. "Die Grundschulen werden auf jeden Fall auf 100 Prozent kommen", ist Brandt überzeugt. Das Problem liegt woanders. An den Oberschulen sorgt die Lehrerbeschaffungsmaßnahme für die Grundschulen für gehörige Unruhe. Brandt kann das verstehen: "Ich bin skeptisch, ob sich genug Gymnasiallehrer finden, die an die Oberschulen gehen wollen."