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Celle Stadt Leidenschaftlich und grandios: "Flamenco grande" im Celler Schlosstheater
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Leidenschaftlich und grandios: "Flamenco grande" im Celler Schlosstheater
06:56 01.10.2016
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Ganz pur und daher umso faszinierender gelang der Einstieg in ein teils sehr lyrisches, teils üppig temperamentvolles Programm: Ein paar wenige Töne vorausgeschickt, und Gitarrist Miguel A. Cortés und Tänzerin Leonor Leal bildeten eine alle Sinne erfassende Symbiose von Gitarre, Körper und Schrittfolgen – so perfekt harmonisch, dass man tatsächlich von einem grandiosen Auftakt sprechen muss. Und das so erwartungsvoll eingestimmte Publikum wurde auch weiterhin nicht enttäuscht.

Aufeinander abgestimmt, wie es vielleicht nur Zwillinge können, gaben die Palermos Los Mellis, zusammen mit Augustin Diassera an den Percussions, die taktliche Vorgabe für Sängerin Rocío Márquez, melodiös begleitet von Cortés, zu ihrer Interpretation spanischer Chansons. Der erzählende, illustrierend-stimmliche Gesang des Flamencos, voll von Pathos und Emotion, brach immer wieder auf in Lebensfreude und Temperament. Die Zuhörer wurden mitgenommen in diesem Wechselbad der Gefühle und erlebten Künstler, die bis zur Haarspitze authentisch aufgingen in ihrer Kunst, in ihrer Musik, in ihrer Form sich auszudrücken – mit allen Facetten, die das Leben emotional zu bieten hat: Trauer, Tristesse, Sehnsucht, Liebe, Leidenschaft, Zorn …

Was Flamenco tänzerisch sein kann, bewies vor der Pause noch einmal Leonor Leal. Kurzhaarig im hauteng-schwarzen Catsuit – und damit weg vom Bild der langhaarigen Flamencotänzerin in rüschengetupftem Rockwerk – wurde sie zur Manifestation von Bewegung und Rhythmus, gleichermaßen losgelöst und doch so kontrolliert, Körperbeherrschung par excellence im Spiel mit der Musik. Da stellte sich die Frage: Wie viel ist Choreographie und wie viel tänzerisch ausgelebte Inspiration?

Ganz leise, lyrisch begann der Einstieg nach der Pause: Die Gitarristen Miguel A. Cortés und Dani de Morón im Zwiegespräch – bevor mit dem spanischen Sänger Arcángel eine weitere Klangtönung des Flamenco auf die Bühne kam. Mit zunehmender Besetzung gewann das Konzert schließlich immer mehr an Temperament und leidenschaftlichem Feuer, bis alle Künstler noch einmal gemeinsam dem Publikum zeigten, was sie unter Flamenco verstehen. Das Publikum hat das Geschenk sehr begeistert angenommen und auch noch die krönende Zugabe mit rauschendem Beifall quittiert.

Von Doris Hennies