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Celle Stadt Lena-Hype, Brüste und ein Globus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Lena-Hype, Brüste und ein Globus
16:29 10.08.2010
Präsentieren ihre Werke (von links): Renate Schmid, Ilsabé Prinzhorn, Martin Hock und Rolf Schaper vor dem Ölbild „gfälls“ von Prinzhorn. Quelle: Aneka Schult
Celle Stadt

In ihrer Rede zur Eröffnung der Jahresausstellung des Amateurmalkreises Celle lobte Susanne McDowell, Fachbereichsleiterin Kultur der Stadt Celle: „Der Amateurmalkreis steht auch 41 Jahre nach seiner Gründung für Vielfalt und künstlerische Aufgeschlossenheit. Sowohl das Altersspektrum der Mitglieder als auch die stilistische und inhaltliche Bandbreite beeindrucken jedes Jahr aufs Neue.“ Zudem könne man eine stetige „Weiterentwicklung des künstlerischen Niveaus feststellen“. McDowell bemerkte richtig: „Auch wenn der Amateurmalkreis seine Ziele sehr bescheiden formuliert: Künstlerische Tätigkeit ist nie nur Abbildung, sondern immer auch Interpretation.“ Vorherrschende Motive sind nach wie vor Blumen, neben Landschaftsszenerien und tierischen Augenblicken. Hier sind die Malfreude und eine positive Weltsicht zu spüren. Renate Schmid, 2010 dem Verein beigetreten, mahnt wiederum angesichts gravierender Klimaveränderungen. Am Beispiel Wattenmeer zeigt sie eine Schönheit, die zunehmend gefährdet ist. Welch Potential an farbzarten Stimmungen in ihr schlummert, zeigt ihr „Selbstbildnis“, fast eine Temperaturkarte erlebter Emotionen. „Ich bin spät zum Malen gekommen, erst mit 55 Jahren“, verrät die gelernte Kosmetikerin. „Für die Ausstellung habe ich die Themen Klimakonferenz und Wattenmeer gewählt.“ Auch Rolf Schaper beäugt neben Blumen und Landschaft in Mischtechnik die „Erderwärmung“, wobei er dem Globus einfach eine brennende Kerze zur Seite stellt.

Ebenso nutzt Ilsabé Prinzhorn das malerische Medium, um sich kritisch ihrer Umwelt gegenüberzustellen. Im Ölbild „behind“ geht es um Erinnerungen. „Das Auf-dem-Kopf-Stehen hat nichts mit Baselitz zu tun“, betont die Zahntechnikerin, die jede freie Minute nutzt, um sich künstlerisch auszuprobieren und mittlerweile deutschlandweit auszustellen. Das vordergründige Muster ist das, was uns täglich bestimmt wie Arbeit und andere Arten von Korsett. Hindurch scheint Erinnerung. Genauso hat Prinzhorn gemalt: erst das Muster, in die Zwischenräume hinein, das was bleibt. Sehr dominant zeigt sich ihr Großformat mit dem Titel „gfälls“, vieldeutig ihr „O & O“ oder „16:9“, ein Statement zum Dauerbrennpunkt Orient-Okzident. „One Day Queen“ beleuchtet schnappschussartig Superstars und Lena-Hype. Po und Brüste baut Rolf Czybulka schelmisch in die Welt.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung läuft bis 25. August, montags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Von Aneka Schult