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Celle Stadt Lesung aus verschollenen Tagebüchern Ernst Schulzes im Celler Schloss
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Lesung aus verschollenen Tagebüchern Ernst Schulzes im Celler Schloss
09:42 27.06.2017
Celle Stadt

In der Erinnerung seiner Zeitgenossen galt er als einer, der gern in Superlativen dachte und lebte. Er sei unter seinen Freunden „im Winter immer der erste auf dem Eis gewesen, im Sommer der höchste auf den Bäumen, aber auch der letzte, der fortlief, wenn sie eine Scheibe eingeworfen hatten“. Und – bezogen auf seine poetische Ader – vermerkte er als Teenager in seinem Tagebuch: „Ich war auf dem Wege, ein ganz großer, aber unheilbarer Schwärmer zu werden.“

„Lieben und geliebt werden“ seien Schulzes Hoffnungen und Sehnsüchte gewesen, stellten Ansull und Kersten in ihrer Lesung heraus. Etwa in der 1810 sich abspielenden Episode mit der verwitweten Frau von Witzendorf: Sie zu trösten sei „für sie kein schwieriges Geschäft“ gewesen, und „für mich ein sehr süßes“. Und: „Sie tat alles mögliche, um mich zu fesseln, bis wir beide der Sache müde wurden.“

Die Zuhörer erfuhren aus den Tagebüchern aber auch quasi aus erster Hand, wie Schulze, der „nie ohne Wehmut und Sehnsucht“ an die Heide zurückdenken konnte, Cäcilie und Adelheit, die beiden Töchter des Hofrats Tychsen, kennenlernte. Wie sich der zu Beginn nur freundschaftlichen Umgang des 23-jährigen Studenten mit der 17-jährigen Cäcilie in schwärmerische Liebe verwandelt. Aber Cäcilie ist todkrank und stirbt kurz vor ihrem 19. Lebensjahr. Eine schmerzhafte Erfahrung für Schulze. Der Übergang vom schwärmerischen Glück, das er bei seiner Geliebten empfunden hatte, zu dem Schmerz nach ihrem Verlust führte bei ihm und bei seinem Schaffen zu einer bis dahin nicht erlebten Schwerrmut. Er entschließt sich, ein Werk zu dichten, in dem „Cäciliens Charakter in allen Details und Feinheiten“ dargestellt werden soll, und sie damit „zu feiern wie Dante seine Beatrice oder Petrarca seine Donna Laura“.

Von Rolf-Dieter Diehl