Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Letzte Weihnachtsparty in Celler Kultkneipe Rios (mit Bildergalerie)
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Letzte Weihnachtsparty in Celler Kultkneipe Rios (mit Bildergalerie)
15:00 25.12.2017
Von Christopher Menge
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Vom Ende der Welt nach Celle kommen, um am Heiligen Abend zu arbeiten – wer so etwas macht, muss seinen Job und seinen Arbeitsplatz schon ungewöhlich stark lieben. "Das Rios ist mein Zuhause", erzählte Kim Aclado am Sonntagabend in der Celler Kultkneipe, während sie die Gäste mit Kaltgetränken versorgte. Seit sechseinhalb Jahren lebt die 27-Jährige in Australien. Gemeinsam mit unzähligen Gästen feierte sie ein letztes Mal Weihnachten im Rios – am 31. Januar schließt die Bar wegen des irgendwann bevorstehenden Ausbaus des Nordwalls für immer ihre Türen.

Wer heult, fliegt raus! Zum letzten Mal wird in diesem Jahr in der Kultkneipe Rios Weihnachten gefeiert! Bei vielen der Besucher schwang am Heiligabend Wehmut mit, aber es sollte nicht geweint, sondern gelacht werden. Eine Barkeeperin wurde extra aus Australien eingeflogen.

Dementsprechend groß war der Andrang am Heiligabend. "Das Rios ist einmalig", sagte Sebastian Mattus. Während der 27-Jährige auf eine Freundin wartete, hatte er am Tresen schon einen Kumpel getroffen. "Man trifft hier immer jemanden und lernt neue Leute kennen." Oft gehe er mit seinen Kollegen aus der Gastronomie noch auf ein Feierabendbier ins Rios. "Alles in Celle hat zu, aber im Rios ist man noch willkommen", sagte Mattus.

Mit einem lachenden und weinenden Auge war sein Kumpel Leon Marten zur letzten Weihnachtsparty in der 22-jährigen Kneipengeschichte gekommen. "Ich freue mich, die ganzen Leute wiederzutreffen, aber es ist sehr traurig, dass das Rios schließt." Schließlich seien hier in familiärer Atmosphäre alle Generationen aufeinander getroffen. "Freunde, die man lange nicht gesehen hat, trifft man im Rios", so der 22-Jährige.

Gerade über die Weihnachtsfeiertage, wenn auch die Studenten nach Hause zurückkehren. So kamen auch bei Nele und Lena Kirschning "Heimatgefühle" auf, als sie nach der Bescherung mit der Familie in die Kultkneipe am Neumarkt kamen. "Es gibt viele Erinnerungen", sagte Nele Kirschning. "Das Besondere ist die urige und authentische Atmosphäre." Eben "eine Studentenkneipe in einer Stadt ohne Studenten", wie es die Rios-Besitzer Oliver Müller und Dawn Doneck in einem Anschreiben an die Gäste kürzlich formuliert haben.

Bei vielen Gästen schwang dann auch reichlich Wehmut mit, während sie alte Freunde in den Arm nahmen. "Das Rios ist der Ort, wo man egal zu welcher Zeit immer welche trifft, die man mag", sagte der 35-jährige Björn Espe. "Etwas ähnliches gibt es in Celle nicht."

Nur über das bevorstehende Ende reden, wollte Doneck aber nicht. Sie hatte daher vorab das Motto "Wer heult, fliegt raus" ausgegeben und für Notfälle, Sonnenbrillen ausgelegt. "Es ist traurig, aber noch kann man das ganz gut verdrängen", sagte die Rios-Besitzerin. Dem schloss sich auch Barkeeper Matthias Reiser an, der seit Sommer 2008 im Rios arbeitet. "Das Nostalgie-Gefühl kommt wahrscheinlich nach Weihnachten", sagte der 33-Jährige, der Heiligabend Unterstützung von weiteren zwei ehemaligen Bedienungen bekam.

Getreu dem Motto "wenn man arbeitet, kann man nicht sentimental werden" übernahm Lisa Gierendt nochmal eine Schicht mit ihrer Freundin Anna Sauer. "Das Rios ist unser zweites Zuhause, da wollten wir nochmal zusammen arbeiten", sagte Anna Sauer, die inzwischen in Berlin studiert. Sie hatte also auch einen relativ weite Anreise, um am Heiligabend im Rios arbeiten zu können.

Im Vergleich zu dem Weg, den Kim Aclado auf sich genommen hat, war das aber ein Katzensprung. Eine echte Alternative hatte die Wahl-Australierin aber nicht: "Wenn Dawn einen in den Dienstplan einträgt, kann man nicht nein sagen."