Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt "Letztlich ist man immer Bürgermeister"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Letztlich ist man immer Bürgermeister"
16:42 03.02.2012
Celle Stadt

Die Berger Sperrstunde hat eine, die Wathlinger Bahntrasse auch, für die Schuldebatte scheint es keine zu geben – gemeint sind Diskussionsgruppen bei Facebook. „Aufgeschlossen zeigen“ wollen sich die Bürgermeister im Landkreis Celle, wie es Axel Flader formuliert. Deshalb sind immer mehr bei Facebook aktiv, verknüpfen sich dort mit Bürgern.

838 virtuelle Freunde hat Bergens Bürgermeister Rainer Prokop mittlerweile. Dennoch tritt er als Privatperson auf. In der Anfangszeit hatte er Ärger mit einem Nutzer, der ihn penetrant mit Pinnwandeinträgen belagerte. „Ansonsten scheint es eine stille Vereinbarung zu geben: Dienstliches nicht auf der Pinnwand.“ Stattdessen treten Bürger mit ihm über private Nachrichten in Kontakt, „das fühlt sich so normal an wie ein Gespräch.“

Torsten Harms ist als Bürgermeister und Dozent bei Facebook - „privat treffe ich meine Freunde persönlich.“ Seit der Kommunalwahl nutzt er Facebook intensiver, vor allem als Frageplattform für Bürger. „Gerade Jüngere stellen Fragen: Was macht ein Bürgermeister? Was wird aus unserer Schule?“ Kritisch sieht er, dass sich in letzter Zeit „radikale Kreise einschleichen wollen“. Gleichzeitig betont er die Chancen von Facebook als Diskussionsplattform. Harms denkt für die Zukunft auch an Probeabstimmungen, angesiedelt auf der Webseite der Gemeinde: „Das ist die Zukunft der Kommunalpolitik.“

Axel Flader, Bürgermeister in Hermannsburg, sieht in Facebook einen Teil des Zeitgeists: „Ich beschäftige mich damit, aber als Axel Flader, nicht als Bürgermeister.“ Wie seine Kollegen sorgt auch er sich um die Sammelwut des Facebook-Konzerns: „Es ist gewaltig, was dort mit den Daten passiert. Man ist gut beraten, sorgfältig damit umzugehen.“

Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann hat festgestellt, wie schwierig die Trennung zwischen Privatperson und Bürgermeister auch bei Facebook ist: „Eigentlich ist das eine rein-private Seite. Aber letztlich ist man immer Bürgermeister.“ Er zeigt Sportfotos und offizielle Termine, lässt sich von Bürgern anchatten. „Ich kümmere mich um ihre Anliegen, aber lieber ist mir die dienstliche Mail-Adresse.“

Bergen ist mit einer eigenen Seite vertreten, dort veröffentlicht die Verwaltung Neuigkeiten aus der Stadt. In anderen Gemeinden wird über ein ähnliches Projekt nachgedacht, die Bürgermeister teilen jedoch datenschutzrechtliche Bedenken mit dem Landkreis.

In den Rathäusern ist die Nutzung sozialer Netzwerke grundsätzlich von Seiten des Landkreises gesperrt, berichtet Prokop. Ihm selbst missfällt diese Regelung. Klußmann hat die private Nutzung des Internets in der Wietzer Gemeindeverwaltung untersagt und auch Harms äußerte Bedenken. Der Landkreis begründete die Sperrung gegenüber der CZ damit, dass „die Systeme ausschließlich für dienstliche Zwecke vorgehalten werden“. Bei dienstlichem Interesse würden die Zugänge freigeschaltet werden. Die Verwaltungschefs können die Freischaltung anfordern.

Von Isabell Prophet