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Celle Stadt Liebevolle Porträts von Weggefährten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Liebevolle Porträts von Weggefährten
16:54 16.02.2012
Heike Schlobinski mit ihrem Selbstbildnis. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Celle Stadt

In der Malerei – so sagt man – ist das Porträt, was die Biografie in der Literatur ist. Denn um ein Antlitz erfassend zu beschreiben, reichen Worte nicht aus. Hier versagt die Sprache, weil ihr die Nuancen fehlen, um die Form eines Gesichts, Mimik und Empfindungen wiederzugeben. Was damit gemeint ist, verrät die Ausstellung „39 plus eins“ der Schmarbecker Künstlerin Heike Schlobinski im Hospiz-Haus Celle, Glockenheide 79. Schlobinski, die bereits mit Bilderzyklen wie „Nympheas“ und „Körperlandschaften“ überregional auf sich aufmerksam machen konnte, lässt auch hier wieder ihr psychologisches Fingerspitzengefühl und große Einfühlsamkeit erkennen.

Die 39 Porträts von Verwandten, Freunden und Weggefährten – ergänzt durch ein Selbstporträt – sind jedes für sich persönlicher Ausdruck der Begegnung zwischen ihr und dem Porträtierten. Sie vermitteln eine mit Pinsel und Farben „beschriebene“ Atmosphäre von Privatheit und intimer Nähe. Dabei gibt Schlobinski auf anziehende Weise und mit sezierendem Blick die Gemütszustände und inneren Befindlichkeiten ihres Gegenübers wieder. Hier ein herzhaftes Lachen, dort ein koketter Augenaufschlag, hier ein nachdenkliches Gesicht, dort ein ironischer Blick. Heiterkeit und Freude, Sorge und Gelassenheit spiegeln sich in den dargestellten Gesichtern.

In jedem Fall hält Schlobinski die Menschen in einem für sie charakteristischen Moment fest. Und im Gegensatz zur Fotografie, die ja im wahrsten Wortsinn „nur“ eine Momentaufnahme ist, erkennt man in ihren Arbeiten das dem Malprozess innewohnende fortschreitende Annähern an das Wesen des Porträtierten, das – wenn man so will – „Hinter-die-Fassade-schauen“. Und daraus ergeben sich am Ende behutsam und respektvoll offen gelegte Wesenszüge, die jedoch keineswegs entlarvend, sondern vielmehr individuelle, von Herzen kommende Liebeserklärungen der Künstlerin an die Menschen um sich herum sind.

Die Ausstellung kann bis zum 25. März immer sonntags von 15 bis 18 Uhr besichtigt werden.Rolf-Dieter Diehl

Von Rolf-Dieter Diehl