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Celle Stadt Linden am Schlossplatz werden fallen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Linden am Schlossplatz werden fallen
12:48 11.11.2010
Von Michael Ende
Baumwurzeln zerstört: Schlossgraben-Mauer muss erneuert werden Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

CELLE-ALTSTADT. Warum nur drucksten Celles Politiker während der vergangenen Ratssitzung so herum, als es um die Zukunft der angeblich eine „Sichtachse“ zum Schloss versperrenden Linden ging? Klar: Weil es ein heikles und emotionsbeladenes Thema ist. Dabei ist das Schicksal der Bäume schon so gut wie besiegelt: Sie werden fallen. Aber das wagte niemand so deutlich auszusprechen.

Torsten Schoeps (WG) orakelte darüber, dass man die Bäume ja „ausdünnen“ und „gärtnerisch so behandeln“ und „reduzieren“ könne, dass sie die Sicht aufs Schloss freigäben. Patrick Brammer (SPD) lachte: Schoeps meine doch Bäumefällen, auch wenn er nicht davon zu sprechen wage: Eine Fällung der Bäume komme für die SPD nicht in Betracht. SPD-Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende gab sich diplomatisch und deutete an, dass auch eine „Erneuerung“ der Lindenallee in Betracht komme. Man wolle sich ganz im Sinne der „Bürgergesellschaft“ mit den Bürgern am 23. November ab 15 Uhr erst einmal vor Ort ein Bild von der Situation machen, so Mende.

Was der OB verschwieg: Seine eigene Verwaltung hat die Fällung der Linden längst auf dem Zettel. Das teilte jetzt Verkehrsplaner Helmut Knabe im Straßenbauausschuss mit. Wenn die Stadt den Ausbau der Richard-Katzenstein-Straße anpacke – also spätestens 2012 – gehe es den Bäumen an der Kragen. Denn sie ständen der Sanierung der Schlossgraben-Stützwand, für die die Stadt bereits 1,9 Millionen Euro im Investitionsprogramm einplant hat, im Wege, so Knabe: „Man kann mit Sicherheit sagen, dass wir bei einer ernsthaften Sanierung der Mauer die heute an der Böschungskante stehenden Bäume nicht erhalten können – unabhängig von der Diskussion über irgendwelche Sichtachsen.“

Die Bäume graben sich gewissermaßen ihr eigenes Grab: Das Wurzelwerk der 1849 angelegten Lindenallee hat sich prächtig entwickelt und ist auch von zentnerschweren Sandsteinblöcken nicht zu stoppen. Die Folge: Besonders im Bereich der von den Wurzeln zielstrebig angepeilten Wasserlinie bröckelt das Mauerwerk ganz massiv.

Die bei der Mauer-Erneuerung fällige „Wurzelbehandlung“ dürfte für die Bäume tödlich sein, schätzt Jens Hanssen, im Celler Rathaus Fachbereichsleiter Technische Dienste: „Derzeit lassen wir von Experten den vegetativen Zustand der Bäume prüfen. Die zu erwartende Tendenz der Ergebnisse dürfte sein, dass starke Eingriffe im Wurzelbereich den Erhalt der Bäume unmöglich machen.“ Bereits jetzt stelle sich daher die Frage, was nach der Fällung der Bäume kommen solle, so Hanssen: „Durch Neuanpflanzungen könnte man den Allee- und Promenadencharakter erhalten.“ Dafür gebe es auch „kleine Lösungen“ mit Bäumchen, unter den man zwar spazieren könne, die aber nicht so riesig seien, dass sie wie ihre Vorgänger jetzt das Schloss verdeckten: „Eine geformte und beschnittene Allee wie etwa vor dem Congress Centrum Hannover wäre durchaus auch wieder mit Linden möglich.“