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Celle Stadt Lobetalarbeit: Vertrauen schon lange gestört
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Lobetalarbeit: Vertrauen schon lange gestört
19:27 03.11.2017
Von Dagny Siebke
Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Die Diskussion über die Beschwerden der Lobetal-Mitarbeiter im neuen Wohnheim an der Amelungstraße reißt nicht ab. Nach der Berichterstattung der vergangenen Wochen haben sich drei weitere Beschäftigte bei der CZ gemeldet, um die Schilderung ihrer Kollegin hinsichtlich der Überforderung des Personals beim Umzug zu bekräftigen. Damit widersprechen sie Vorstand Carsten Bräumer, der erklärt hatte, dass es sich bei der Kritik um eine Einzelmeinung handele. Auch diese Mitarbeiter fühlen sich von Vorgesetzten der Lobetalarbeit mit ihren Sorgen nicht ernst genommen – die sie schon vor Monaten geäußert hätten. Noch bevor ein Rollstuhlfahrer Ende Juli eine Treppe hinunterstürzte (die CZ berichtete).

Die Beschäftigten waren nach eigener Aussage auch beim „legendären Dienstgespräch“ kurz nach dem Umzug dabei, über das die CZ berichtet hatte. Sie behaupten, dass Bräumer im Gespräch mit der Redaktion gelogen habe, als er von einem Missverständnis sprach, für das er sich entschuldige. Die Beschäftigten hingegen sagen, dass Bräumer sich damals unmissverständlich ausgedrückt und den rund 20 Beteiligten die ausgefüllten Aufhebungsverträge direkt unter die Nase gehalten habe. Die Leitung habe gezielt versucht, die Mitarbeiter „mundtot“ zu machen.

Mitarbeitervertretung beobachtet zunehmende Ignoranz: Der Streit über den Umzug ins neue Wohnheim an der Amelungstraße ist der traurige Höhepunkt eines langen Konfliktes zwischen Vorstand, Aufsichtsrat und gemeinsamer Mitarbeitervertretung (MAV). „Seit 2015 beobachten wir eine zunehmende Ignoranz gegenüber Rechten der Arbeitnehmer und der gemeinsamen Mitarbeitervertretung“, heißt es in einem Aushang der MAV. „Verstöße gegen die Mitbestimmung haben zu einer Fülle von Schiedsstellenverfahren geführt.“

Vorstand setzt Zusammenarbeit aus: Wegen der Kirchengerichtsverfahren zwischen Mitarbeitervertretung und Dienststellenleitung sei viel Vertrauen verloren gegangen, sagt Carsten Bräumer. Deswegen sei zum Beispiel die Mitarbeit in Projektgruppen und der Gaststatus der MAV in der Mitgliederversammlung des Trägervereins „bis zu einer Beruhigung der Situation ausgesetzt worden", so der Vorstand. „Ich denke, dass es am besten ist, sich auf das rechtlich geregelte Notwendige zu konzentrieren. Nach dem erneuten Aufbau eines Vertrauensverhältnis besteht dann auch die Möglichkeit, die Zusammenarbeit über den gesetzlichen Rahmen hinaus wieder auszuweiten.“

Aufsichtsrat steht hinter Bräumer: Der sechsköpfige Lobetal-Aufsichtsrat sieht unterdessen keinen Handlungsbedarf – weder bei der Personalsituation an der Amelungstraße noch hinsichtlich der Mitbestimmung. „Der Aufsichtsrat sieht den Vorwurf der MAV ,unzureichend reagiert‘ zu haben, als absolut nicht gerechtfertigt an", betont der Vorsitzende Jürgen Mletzko. "Aus unserer Sicht steckt hinter der ständigen Umgehung der zuständigen Ebenen im Unternehmen der Versuch der MAV, entgegen aller geregelten Strukturen sich als direktes Gegenüber zum Aufsichtsrat zu definieren.“ Der Aufsichtsrat bedauere den von der MAV gewählten Weg, sehe allerdings derzeit „keine Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit“, so Mletzko.

Streit beschäftigt Schiedsstelle: Zu insgesamt 47 Kirchengerichtsverfahren hat die Mitarbeitervertretung dem Aufsichtsrat Unterlagen zukommen lassen. Zu wessen Gunsten diese ausgehen, kann die Schiedsstelle des Diakonischen Werkes in Hannover nicht sagen. „Die Geschäftsstelle führt keine Statistiken darüber, welche diakonischen Einrichtungen wie oft innerhalb eines Jahres Beteiligte eines Schiedsstellenverfahrens sind“, schreibt eine Pressereferentin. Sie bestätigt aber das Zitat aus dem Beschluss eines Schiedsverfahrens vom Dezember 2016: „Nicht die Mitarbeitervertretung, sondern die Dienststellenleitung verletzt zum wiederholten Male, in erheblichen Umfang und ohne Rücksicht auf kirchengerichtliche Entscheidungen ihre Pflichten aus dem Mitarbeitervertretungsgesetz. Bei dieser für die Kammer nahezu beispiellosen Häufung flagranter Verletzungen des Mitbestimmungsrechts, wie sie der Dienststellenleitung anzulasten ist, bleibt der Mitarbeitervertretung kein anderes Mittel als die Schiedsstelle anzurufen.“

Gemeinsames Gespräch: Der Vorstand des Diakonischen Werks hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen sowohl mit dem Vorstand der Lobetalarbeit als auch mit der Mitarbeitervertretung Gespräche geführt. Ein gemeinsames Gespräch mit beiden Seiten sei demnächst geplant – um "wieder zu einer vertrauensvollen und konstruktiven Zusammenarbeit zurückzufinden", so die Pressereferentin.