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Celle Stadt Lohnlücke trifft viele Cellerinnen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Lohnlücke trifft viele Cellerinnen
18:24 19.03.2015
Celle Stadt

Rund 9600 Frauen in Stadt und Landkreis Celle werden nach der Statistik der Bundesagentur für Arbeit geringfügig entlohnt. Fast 71 Prozent dieser Frauen sind ausschließlich in diesen geringfügig entlohnten Jobs beschäftigt, betont Rosemarie Lüters, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Für die anderen Frauen ist es ein Zuverdienst. Allein in der Stadt Celle sind 3273 Frauen ausschließlich geringfügig beschäftigt. Fast ein Drittel dieser Frauen ist zwischen 50 und 65 Jahre alt.

Am Freitag ist der Equal Pay Day. An diesem Tag erinnern Frauenorganisationen daran, dass Frauen circa 79 Tage mehr im Jahr arbeiten müssen, bis sie das Gehalt von Männern erreichen. Das entspricht einer Lohnlücke von 22 Prozent. Doch die steuerbereinigte Lohnlücke betrage sogar 50 Prozent, so Lüters.

„Viele verheiratete Paare nutzen das Ehegattensplitting. Frauen übernahmen die Hauptlast der Familienarbeit. Für die heute über 50-Jährigen hatte das zur Folge, dass sie als gut ausgebildete Frauen ihre Karrieren aufgaben, als das erste Kind geboren wurde", sagt Lüters. "Die Auswirkungen sind bekannt: Unterbrechungen der Erwerbsarbeit, langjährige Teilzeitarbeit oder Arbeit im Minijob erhöhen das Risiko der Altersarmut. “ Nach 45 Jahren im Minijob beträgt die Rente der Frauen etwa 180 Euro. Die Rentenerwartung aus Erwerbstätigkeit ist bei westdeutschen Frauen der geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1958 und 1968 nicht „einmal halb so hoch wie die der Männer.“

Ursache hierfür ist nicht nur die hohe Verantwortungsbereitschaft der Frauen in der Familienarbeit. Auch die Steuergesetzgebung und die Struktur der sozialen Sicherungssysteme führen zu Benachteiligungen.Eine langjährige Teilzeitarbeit in Kombination mit dem Ehegattensplitting zahlt sich für Frauen nicht aus, betont Lüters. Eine eigenständige Alterssicherung sei vielfach nicht möglich.

Frauen, Frauenorganisationen und Verbände fordern daher eine grundsätzliche Neuregulierung des Rentensystems mit einer Abkehr von der Grundlage traditionell „männlicher Erwerbsbiografien“. Außerdem verlangen sie die Abschaffung des Ehegattensplittings und eine stärkere Anerkennung der traditionellen Frauenberufe sowie der zu Hause geleisteten Familienarbeit.

Von Dagny Rößler