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Celle Stadt „Made in Germany Drei“ zeigt in Hannover junge deutsche Kunstszene
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Made in Germany Drei“ zeigt in Hannover junge deutsche Kunstszene
14:40 03.03.2017
Kathleen Rahn, Direktorin Kunstverein Hannover, und Stefan Wimmer von der Kestner Gesellschaft blicken im Kunstverein in Hannover auf Plakate des Ausstellungsprojekts „made in germany drei“. Quelle: Holger Hollemann
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Was nicht zwangsläufig bedeutet, dass sie hier auch aufgewachsen sind. Die erste Liste, die nun bekannt gegeben wurde, nennt Geburtsorte von Manila über Tiflis bis Boston. So facettenreich die Herkunft, so konzentriert die deutsche Szene: Dreh- und Angelpunkt ist hier nach wie vor weit überwiegend Berlin.

Gegenüber den ersten beiden Ausgaben von 2007 und 2012 gibt es diesmal bei „Made in Germany“ ein paar Neuerungen. Zum Beispiel ein Motto: Es heißt „Produktion“ und ist genau so vieldeutig wie es klingt. Man kann es auf die gesellschaftlichen Bedingungen beziehen, unter denen Kunst entsteht, das sind im Turbokapitalismus gewiss andere als früher. Auch die zunehmend digital geprägte Umwelt hat Einfluss auf die Kunstproduktion. Nicht zuletzt ist es keineswegs mehr eine Selbstverständlichkeit, dass Werke im Atelier entstehen und in den Ausstellungsraum verbracht werden – immer mehr Künstler arbeiten direkt ortsbezogen.

Außerdem ist die Mega-Ausstellung 2017 nicht nur als Nachwuchs-Leistungsschau gedacht; bewusst hat man erstmals auch etablierte Positionen miteinbezogen. Die bekannteste dürfte Starfotograf Thomas Ruff sein, dessen Beitrag für die Kestnergesellschaft geplant ist.

Einige der jetzt schon vorgestellten Projekte machen fraglos neugierig. So will das Berliner Künstlerkollektiv „Das Numen“ fünf riesige Orgelpfeifen in einem Raum des Sprengel Museums waagerecht unter der Decke installieren und ertönen lassen, indem eine Software Messdaten über Windgeschwindigkeit aus zwanzig weltweit verstreuten Wetterstationen in eine Ventilsteuerung und somit letztlich in Klänge umwandelt.

Spezielles steht auch von Raphaela Vogel zu erwarten, die gerne archaische Elemente und Hightech für ihre Arbeiten zwischen Installation, Film und Performance verbindet – ihr Beitrag im Kunstverein soll sich auf das niedersächsische Wappentier, das Pferd, beziehen. Das Künstlerduo Amy Lien und Enzo Camacho ist viel unterwegs, sammelt Material auf mehreren Kontinenten. In der Kestnergesellschaft will es Filmspuren kombinieren, die Aspekte von Kunst und Gesellschaft spiegeln. So trifft die 2012er Frank-Stella-Retrospektive im Kunstmuseum Wolfsburg auf Bilder aus schicken Hongkong-Nachtclubs.

War’s das? Noch lange nicht. Denn da die Grenzen zwischen den künstlerischen Medien immer mehr verschwimmen, ist es kaum erstaunlich, dass diesmal auch das Schauspiel Hannover, das Festival Theaterformen und die KunstFestSpiele Herrenhausen Kooperationspartner des Projekts sind. Es wird noch viel zu berichten geben.

Von Jörg Worat