Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Märchenerzählung und Flötenspiel begeistern Celler Publikum
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Märchenerzählung und Flötenspiel begeistern Celler Publikum
21:49 11.12.2016
Überzeugendes „Zwei-Frau-Programm“: Birgit Kramarczyk (links) und Jutta Seifert in „Kunst & Bühne“. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Genau das Richtige für einen besinnlichen Abend: Eingestimmt auf die Tradition spannend erzählter Geschichten am Kamin, lauschte das Publikum mit einer guten Portion träumerischer Gebanntheit der Stimme von Jutta Seifert. Und der gelang es vortrefflich, den Zauber der historischen Satz- und Wortfolgen wiederzugeben und in Klang und Gestik den beiden Protagonisten der Märchens – dem Pechvogel Schlemihl und dem Tod als unheilvollen grauen Mann – Leben einzuhauchen, so dass man vor dem inneren Auge den Verlauf der Geschichte fast wirklich zu sehen schien.

„Der verkaufte Schatten – oder Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ entstand im Sommer 1813. Der Dichter und Naturforscher Adelbert von Chamisso verfasste die wundersame Geschichte eines Mannes, dem etwas aus eigener Dummheit abhandenkommt, was alle anderen gleichsam natürlich besitzen: einen Schatten. Der Schatten steht für Ganzheit, Menschlichkeit und die Begleitung göttlich gnadenvollen Scheins. Deshalb entpuppt sich der Verlust als so groß und die Meidung und Häme der Menschen für einen solch „Schattenlosen“ als so folgenschwer.

Peter Schlemihl verkauft seinen Schatten, gelockt mit einem immer prall gefüllten Geldbeutel mit Goldstücken, leichtfertig an einen grauen Mann – der sich später als Teufel offenbart. Schon bald muss er erkennen, dass er ohne Schatten ein Ausgeschlossener der Gesellschaft sein wird, selbst sein Reichtum hilft nur bedingt. Verzweifelt versucht Schlemihl, das Geschäft wieder rückgängig zu machen, aber der graue Mann ist unauffindbar. Der fehlende Schatten wird ihm zum Verhängnis. Stets auf der Hut, dies zu verbergen, von Menschen abhängig, die ihm helfen, ihn aber auch verraten, kostet er ihn sogar seine große Liebe. Vor die Wahl gestellt, für den Schatten seine Seele im Tausch zu bieten, entscheidet sich der Held schließlich für ein Leben in und mit der Natur, wird Forscher und Reisender in einem selbst gemachten, weltentrückten Lebensglück.

Die Flötistin Birgit Kramarczyk ergänzt mit ihren Intermezzi – in längeren Stücken umrahmend zur Einführung, als Pausensetzer oder als Klangfärbung, um den Zeilen und Ereignissen eine zweite, emotional nachfühlbare Betonung zu geben – wunderbar das Erzählte – ein betörender Tanz zwischen Wort und Ton.

Von Doris Hennies