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Celle Stadt Magenknurren im Knast
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Magenknurren im Knast
14:15 31.05.2011
Von Michael Ende
Küche in JVA Salinenmoor Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

HUSTEDT. Hähnchenschenkel, Salzkartoffeln, Erbsengemüse, Buttermilchdessert. Ein Mittagsmenü wie dieses klingt zwar nicht unbedingt nach einer kulinarischen Offenbarung aus der Sterne-Küche - "etwas Ordentliches" ist es aber allemal. Gerichte wie dieses kommen in der Celler Justizvollzugsanstalt (JVA) Salinenmoor auf den Tisch - jedenfalls steht es so auf dem offiziellen Speiseplan. Doch einigen Insassen schmeckt das Ganze überhaupt nicht.

"Aufgrund von Sparmaßnahmen der JVA Salinenmoor werden schon seit zwei Wochen die Essensmengen der Gefangenen halbiert", behauptet Imat Alper von der Gefangeneninsassenvertretung: "Die Essensmengen reichen nicht aus für alle Gefangenen, teilweise hungern Gefangene", so Alper: "Die zuständigen Hausarbeiter versuchen, geplante Aufstände zu verhindern, indem sie den Gefangenen gut zureden."

Halbierte Rationen, hungernde Gefangene, Hunger-Aufstandspläne - das klingt eher nach einem Straflager in einer Diktatur als nach einer deutschen JVA. Und genau in einer vorschriftsmäßig geführten JVA befinde man sich auch, sagt JVA-Leiter Peter Oberländer. Ihm seien die Beschwerden übers Essen bekannt, sagt er auf CZ-Nachfrage. Die könne er nur insofern nachvollziehen, dass man manchmal über Geschmack streiten könne - auf keinen Fall über zu geringe Mengen.

Im Gegenteil: Die JVA Celle gebe für die Verpflegung ihrer Insassen sogar mehr aus als üblich, so der JVA-Leiter: "Im Durchschnitt aller JVAen Niedersachsens lag der Verpflegungssatz pro Person und Tag 2010 bei 2,47 Euro - in der JVA Celle waren es 2,66 Euro." Das klinge nicht nach viel, sei jedoch im Großküchenbereich normal. 368.252 Euro habe man 2010 in Celle für Essen ausgegeben.

Wer an der täglichen Verpflegung mit Frühstück, Arbeitsfrühstück, Mittagessen und Abendessen teilnehme, konsumiere zwischen 8000 bis 13.000 Kilojoule, so Oberländer: "Das entspricht mit 2500 bis 3000 Kilokalorien, also einer sogenannten Schwerarbeiterration." Und das, obwohl niemand in Salinenmoor Steine klopfen oder ähnliches tun müsse."Reis wird weniger gern gegessen, Kartoffeln werden häufig reduziert genommen, Nudeln werden von den Gefangenen sehr geschätzt", so Oberländer. Die Brotmenge könne jeder frei wählen - häufig bleibe noch etwas liegen: "Hier gibt es auch nicht wenige übergewichtige Gefangene, denen die Ärzte raten, sich beim Essen ein bisschen zurückzuhalten."

Gezwungen werde zu dieser "Zurückhaltung" niemand, bekräftigt Oberländer: "Hier gibt es für jeden ungefähr so viel zu essen, wie ein schuftender Bergarbeiter bräuchte." Einen sich da sofort aufdrängenden Verdacht dementiert Oberländer lächelnd: "Nein - hier gräbt keiner einen Tunnel."