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Celle Stadt Magische Welt der Klänge im Celler Beckmannsaal
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Magische Welt der Klänge im Celler Beckmannsaal
18:30 12.05.2014
Roberto Legnani (links) und Ariana Burstein spielten im Celler Beckmannsaal mit viel Gefühl - und Leidenschaft. Das Publikum war begeistert. Quelle: Alex Sorokin
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In die „magische Welt der Klänge und Rhythmen“ – so der Programmtitel – entführten Ariana Burstein (Violoncello) und Roberto Legnani (Gitarre) ihr Publikum am Sonntag im Beckmannsaal. Das Künstler-Duo aus Baden-Württemberg gastiert schon seit einigen Jahren regelmäßig in Celle und fasziniert immer wieder mit seinen tief empfundenen, ausdrucksvollen musikalischen Dialogen, bei denen sie alle nur denkbaren Gefühle und Leidenschaften in ihre Musik hineinzulegen vermögen.

Von mystischer keltischer Folklore über bluesgetönten Gypsy Swing und sinnliche Flamenco-Klänge bis zum leidenschaftlichen argentinischen Tango reichte diesmal der Spannungsbogen ihres gewohnt virtuos und in feinst herausgearbeiteten Interpretationen servierten Programms, zu dessen abwechslungsreichen Höhepunkten unter anderem das poesiegetränkte „The Home of the Fairies“, Tomasino Albinonis berühmtes „Adagio“, der herrlich schwelltönige Gypsy „Le Chat de Paris“ im Stile Django Reinhardts und Alberto Moráns schwelgerisch-anregender Tango „Medianoche“ gehörten. Vom zärtlich flüsternden Dialog über tänzerische Eleganz bis zu rhythmisch-dynamischer, dabei aber niemals ausufernder Expressivität zeigten die Musiker ein Höchstmaß an emotionaler Intensität, changierend zwischen leidenschaftlicher Hingabe und verträumter Melancholie und kreativ bis zur letzten Note ausgefeilt. Dabei wussten Burstein und Legnani aus jedem, auch noch aus dem flüchtigsten Moment, ein Maximum an Seelenregung und Empfindungstiefe zu schöpfen.

Es ist für Auge und Ohr gleichermaßen faszinierend, wie die beiden Ausnahmemusiker es immer wieder schaffen, bei aller Konzentration auf ihr eigenes Instrument, bei ihrem völligen individuellen Bei-sich-Sein wie von selbst miteinander zu verschmelzen und eine klangliche Einheit zu bilden. Und wo es um die beredte, wohlnuancierte Ausschattierung von Klang- und Ausdruckswelten ging, wussten sie neben begeisternd gestalteten Höhenflügen auch immer die Tiefen auszuloten. Dabei blieben sie zu jedem Zeitpunkt klar im Ton, romantisch unverklärt und sanglich hinreißend schön. Mit exquisiter lautmalerisch-intimer Finesse gelang es ihnen, die prickelnden Emotionen der auf sie zugeschnittenen und adäquat arrangierten Musik ungemein empathisch hervorzuheben, etwa bei den verführerisch-ariosen keltischen Zaubertönen oder bei der Paco de Lucía gewidmeten andalusisch gefärbten „Romanza y Farruca“. Nicht vordergründig plakativ oder oberflächlich aufgesetzt, sondern fein versteckt aus der Musik selbst sprach die Emotionalität, die das gefesselt lauschende Publikum bis zum Schluss in den Bann zog.

Von Rolf-Dieter Diehl