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Celle Stadt Mai-Kundgebung in Celle: "Wir wollen jetzt mehr Geld"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mai-Kundgebung in Celle: "Wir wollen jetzt mehr Geld"
18:19 01.05.2015
Von Simon Ziegler
Die Zukunft der Arbeit mitgestalten: Die sich verändernde Arbeitswelt spielte bei der Mai-Kundgebung auf der Stechbahn eine große Rolle. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

„Wer nicht kämpft, verliert. Wir haben für unser Recht gekämpft und wir haben gewonnen“, sagte Susanne Korsch bei der Mai-Kundgebung auf der Stechbahn. Die CeBus-Betriebsratsvorsitzende erinnerte an den mehrtägigen Streik beim Celler Busunternehmen, der schließlich dazu geführt hatte, dass die Arbeitnehmer ihre Forderungen weitgehend durchsetzen konnten.

Solche Erfolgsgeschichten wollten die etwa 250 Besucher am Tag der Arbeit hören. Denn andere Arbeitnehmer sind weit davon entfernt, dass ihre Forderungen Realität werden. „Wir wollen jetzt mehr Geld und keine warmen Worte. Wir wollen von unserem Einkommen leben. Schluss mit dem Sandkasten-Tarif – Aufwerten jetzt“, rief Jutta Duensing. Die Betriebsratsvorsitzende des Roten Kreuzes in Celle sprach für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst. Erzieherinnen erhielten nach einer vierjährigen Ausbildung zunächst nur rund 2360 Euro brutto, wenn sie Vollzeit arbeiten, kritisierte Duensing die mickrigen Löhne.

Der Tag der Arbeit stand unter dem Motto „Die Zukunft der Arbeit gestalten wir“. Die Arbeitswelt verändert sich rasant, viele Jobs sind unsicher. Immerhin gibt es seit diesem Jahr den lange geforderten gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro.

Seit 125 Jahren demonstrieren die Gewerkschaften am 1. Mai für die Rechte der arbeitenden Bevölkerung. Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende erinnerte daran, dass seitdem für die Arbeitnehmer viel erreicht wurde: Acht-Stunden-Arbeitstag, 40-Stunden-Woche oder jetzt der Mindestlohn. Trotzdem sei die Mai-Kundgebung noch immer notwendig. „Heute sind Millionen Menschen in Leiharbeit beschäftigt“, sagte er. Mit Blick auf unsichere Internet-Jobs sprach Mende davon, dass „wir ein neues Prekariat organisieren“. Nötig sei ein gesellschaftlicher Dialog zur Gestaltung der Arbeit.

Pastor Uwe Schmidt-Seffers erklärte, dass die Gestaltung der zukünftigen Arbeit im Bereich der Digitalisierung nicht alles sei. Er erinnerte auch an diejenigen, die keine Arbeit haben. „Wir dürfen nicht vergessen, dass es nach wie vor eine Million Langzeitarbeitslose gibt, schlecht oder gar nicht Qualifizierte. Auch für diese Menschen brauchen wir gute Arbeit. Auch das ist eine Aufgabe für Gewerkschaften, Betriebsräte und Unternehmen“, sagte der Sprecher des Celler Kirchenkreises.

Paul Stern, Celler Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), erklärte, dass hinter den Gewerkschaften ein schwieriges Jahr mit vielen Schatten- und wenigen Sonnenseiten liege. „Natürlich haben wir jetzt den gesetzlichen Mindestlohn, er ist aber viel zu niedrig, außerdem gibt es gesetzliche Ausnahmen. Und schon schreien die Blockierer nach weiteren Ausnahmen, Rücknahmen und Korrekturen. Das werden wir nicht zulassen. Im Gegenteil, wir fordern einen Mindestlohn für alle mit einer höheren Marge ein“, rief Stern ins Mikrofon.