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Celle Stadt Mannsbilder, Fräuleins und Hausgeister in der Congress Union
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mannsbilder, Fräuleins und Hausgeister in der Congress Union
18:09 04.12.2017
"Ich will doch nur den Hausfrieden wiederherstellen", sagt TratschtanteMeta Boldt (Heidi Mahler, rechts) zur jungen Witwe Knoop (Beate Prahl). Quelle: Oliver Knoblich
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„Ich will doch nur den Hausfrieden wiederherstellen“, verteidigt sich die an allem und jedem interessierte und dabei sehr eloquente Meta Boldt. Die tratschsüchtige Hausbewohnerin belagert zwecks Befriedigung ihrer Neugierde wie ein Hausgeist auch die Ebenen des Treppenhauses, auf denen Steuerinspektor Brummer und die ledige Frau Knoop ihre alles andere als harmonische Nachbarschaft pflegen. Dem Hauswirt liegt Streitschlichtung nicht so sehr wie das Umwerben junger Damen, die auch in der Neuinszenierung des Ohnsorg-Klassikers von Michael Koch Fräuleins sind und die Phantasien der Mannsbilder zu ungeahnten Blüten treiben.

Fräulein Heike ist so nett und süß wie ihr Gegenstück Dieter in männlicher Variante. Das junge Paar findet sich – kein Lustspiel ohne Happy End und Lacher, die vom Publikum in der nicht voll besetzten Congress Union reichlich zu hören sind. Manche Szene wird aus den Reihen der altersmäßig bunt zusammengesetzten Menge sogar kommentiert.

„Wer den Namen nicht kennt, kommt wahrscheinlich nicht“, sagt Barbara Dittmer in der Pause und zielt damit auf das Traditionstheater Ohnsorg aus Hamburg ab. Der Lachendorferin und ihrem Mann Matthias gefällt die Aufführung der Ohnsorg-Truppe wie den meisten anderen sehr gut. Vereinzelt sind Stimmen derjenigen zu hören, die das Lustspiel bereits in Inszenierungen anderer Bühnen gesehen und als sehr viel spritziger empfunden haben.

Die für den Erstbesucher leicht nachzuvollziehende Story um durch Verwechslungen angeheizten Zwist unter Mietern sowie die Umwege eines jungen Paares zum Glück ist von Beginn an vorhersehbar. Tiefe der Figuren braucht es in einem Boulevardstück nicht, aber ein wenig mehr Pep, Kontur und Dialogwitz hätten die Unterhaltsamkeit des Abends noch befördern können. Die biedere und zum Schluss versöhnte Hausgemeinschaft schiebt Meta Boldt den Schwarzen Peter zu. Den hat sie ebenso verdient wie Boldt-Darstellerin Heidi Mahler den größten Applaus.

Böse ist nicht gut, aber bisweilen witziger und unterhaltsamer als alles andere.

Von Anke Schlicht