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Celle Stadt Markante Zeichen per Sprühdose bei Celler Aktionswochen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Markante Zeichen per Sprühdose bei Celler Aktionswochen
10:06 18.04.2016
Jörg Artes Pippirs vor dem noch unfertigen Werk: „Ich möchte dem Sinnbild des Totenkopfes ein anderes Gewand geben.“ Rechts der farblich abgestimmte Schriftzug seines Kollegen Thorsten Meier. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

„Knochenweiß, das war das Stichwort“, sagt Pippirs auf die Farbgebung für das Wandbild, das er gemeinsam mit Meier gerade sprüht. Die Celler Graffiti-Maler waren aufgerufen, im Rahmen der Aktionswochen gegen Rechts ein Zeichen per Sprühdose zu setzen. Die Szene ist eigen und wenig kalkulierbar – die Resonanz am Samstagnachmittag war eher gering. Das machte allerdings gar nichts, denn mit Pippirs ist der Celler Graffiti-Künstler schlechthin angetreten.

„Ich kokettiere hier mit einem ekelhaften Schädel“, sagt er mit Verweis auf die in rechten Kreisen verwendete Symbolik. Er möchte dem Sinnbild des knochenweißen Totenkopfes ein anderes Gewand geben. Die Szenerie, in der das Wandbild innerhalb von vier Stunden entsteht, inspiriert nicht nur, sie spricht für sich genommen eine deutliche Sprache gegen die Fremdenangst und -feindlichkeit des rechten Lagers. Zahlreiche unbegleitete Jugendliche aus dem arabischen Raum und Afghanistan sind gemeinsam mit Hartmut Wiswe vom Verband Sozialtherapeutischer Einrichtungen gekommen: Die Jungen mischen sich wie selbstverständlich unter die Skater, BMX- und Rollerblade-Fahrer.

Bei strahlendem Sonnenschein stellt sich auf dem Gelände der CD-Kaserne eine Atmosphäre ein, die eine Idee gibt von dem, was Graffiti von jeher ausmacht. Die Kunstform ist eng verknüpft mit freiheitlichem Denken und steht damit per se der Engstirnigkeit des rechten Gedankengutes entgegen. Typisch für das Sprayen ist es, nur seinen Schriftzug zu verewigen. Diese Variante hat Meier gewählt. Seinen Künstlernamen CIEK passt er farblich dem Schädel an. Dafür braucht er mehr als Knochenweiß, denn Pippirs hat dem Kopf mit Grün und Blau Anklänge an einen Globus verpasst. Er hat das Weltumspannende im Auge. „Unter der Haut sind wir alle gleich“, hatte er zu Beginn gesagt.

Aber hinter seinem Bild steckt mehr. „Ich will aus den Symbolen, die eindeutig vorbelastet sind, etwas machen, das in eine ganz andere Richtung geht“, erläutert er. Die Konturen des Schädels hatten negative Assoziationen ausgelöst. Der Künstler hat sie weggesprüht, gewandelt in etwas Positives.

Nach vier Stunden ist aus dem Knochengerüst in Weiß wieder das geworden, was es ursprünglich war: Ein Menschenkopf, den man sich gerne anschaut. Pippirs bezieht bei der abschließenden Betrachtung seines Werkes das Thema der Aktion mit ein und nennt es: „Der bunte Mensch gegen Rechts.“

Von Anke Schlicht