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Celle Stadt Martin Kind in Celle: „Wir zahlen zu viel fürs Mittelmaß“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Martin Kind in Celle: „Wir zahlen zu viel fürs Mittelmaß“
08:37 10.02.2018
Von Christian Link
Ein Präsent für den Gastredner: Dirk Abeling (rechts), Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrats der CDU, beschenkt Martin Kind. Quelle: Christian Link
Celle Stadt

Insbesondere seine Kollegen im Bundestag kritisierte der Cuxhavener Ferlemann: „Von den 700 Kollegen sind die meisten gar nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen.“

Viele Neuankömmlinge im Parlament freuten sich zwar über Auslandsreisen, Büros und Mitarbeiter. Vor politischer Verantwortung würden sie jedoch zurückschrecken, spottete Ferlemann, der seit 2002 Abgeordneter ist. Insbesondere von der AfD hält der Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium nicht viel. Mit Blick auf die Sitzordnung im Reichstagsgebäude sagte er: „Ganz rechts haben wir einen Haufen von Wahnsinnigen – das kann ich Ihnen sagen, ich sitze genau gegenüber.“ Die Linkspartei kritisierte der 54-Jährige als weltfremd. „Mit diesen beiden Flügeln kann man gar nicht regieren“, so sein Fazit. Die FDP, deren Landesvorsitzender Stefan Birkner im Publikum saß, bekam von Ferlemann nur einen milden Tadel.

Den Koalitionsvertrag verteidigte Ferlemann als „in Ordnung“: „Da ist viel Gutes drin, das Schlimmste ist abgewendet.“ Mit dem Verzicht auf Steuererhöhungen und dem Festschreiben der „Schwarzen Null“ habe die CDU ihre wichtigsten Ziele erreicht. „Gerade noch grenzwertig“ nannte er die Vereinbarungen zum Arbeitsrecht. „Dadurch, dass so viele meckern, glaubt die SPD, das war ein Riesensieg, den sie errungen hat“, kommentierte Ferlemann das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen. Der Vertrag beantworte allerdings nur die Probleme bis 2025, weshalb er viele Probleme nicht angehe. Und: „Das mit dem Soli ist ganz verunglückt.“

Den Verlust des Finanzministeriums kann Ferlemann verschmerzen: „Ich freue mich, dass wir nach so vielen Jahrzehnten wieder das Wirtschaftsministerium haben. Das ist gar keine so schlechte Situation.“ Nun habe die CDU endlich die Möglichkeit, die Energiepolitik der Bundesrepublik entscheidend zu gestalten – sofern die SPD-Basis dem Koalitionsvertrag zustimmt. Ferlemann: „Ich hoffe, dass die klugen Mitglieder der SPD sagen: Wir können Deutschland nicht in so eine Krise schicken.“

Streitbare Positionen vertrat auch Gastredner Martin Kind. Der Hörgeräte-Unternehmer und Hannover-96-Präsident sprach wie erwartet über seine Pläne, mit denen er zum „Buhmann“ der deutschen Ultra-Szene geworden ist. „Ich bin ein Anhänger freier Märkte. Wenn es nach mir ginge, würde ich die 50+1-Regel komplett kippen“, sagte der 73-Jährige.

Den mehr als 100 Gästen in der Congress Union rechnete Kind vor, warum Hannover 96 ohne Neuregelung im Spitzenfußball nicht konkurrenzfähig sei: Knapp über die Hälfte seiner Einnahmen erziele der Bundesligaverein zwar durch Fernsehgelder. Dahinter komme mit einem Anteil bis zu 35 Prozent aber schon das Sponsoring. „Das zeigt, welche Bedeutung die Unternehmen für die Finanzierung haben“, so Kind. Die Entwicklung in diesem Bereich sei allerdings stagnierend: „Deswegen müssen wir neue Modelle entwickeln.“

Der Ticketverkauf habe „nur“ einen Anteil von 20 Prozent an den Einnahmen. „Für die emotionale Stimmung im Stadion ist das Ticketing unheimlich wichtig, für die Finanzierung des Haushalts ist es nicht so entscheidend“, sagte der 96-Chef und forderte eine „vierte Einnahmeposition“ – nämlich Transfererlöse. Dank dem neuen Nachwuchsleistungszentrum könne 96 jetzt zwar Talente aufbauen, das sei aber nicht einfach. Viele Nachwuchskicker und vor allem ihre Eltern, wie Kind anhand eines aktuellen Falls erläuterte, hätten völlig unrealistische Gehaltsforderungen: „Die orientieren sich an der Traumwelt Fußball. Und so laufen auch die Verhandlungen ab.“

Zudem kritisierte Kind in Hinblick auf viele Spielergehälter: „Wir zahlen zu viel fürs Mittelmaß.“ Wenn es um Leistungsträger geht, findet der Unternehmer aber auch zweistellige Millionengehälter in Ordnung. Schließlich lautet sein Credo: "Der Motor der ganzen positiven gesellschaftlichen Entwicklung ist der Wettbewerb. Und Wettbewerb geht auf Kosten der Gleichheit, das muss man ganz deutlich sagen. Wir brauchen Unternehmer, wir brauchen Eliten und wir brauchen Innovation."

Es gibt schon ein ganz besonderes Bild, wenn rund 60 von 150 Frauen zur Weiberfastnacht auf einer Tanzfläche zusammengepresst ihr imaginäres Lasso in der Luft schwingen und sich gegenseitig – mit musikalischer Unterstützung – dazu auffordern, gemeinsam „Cowboy und Indianer“ zu spielen.

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