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Celle Stadt Mascha Kaléko im Mittelpunkt einer Lesung in der Celler Synagoge
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mascha Kaléko im Mittelpunkt einer Lesung in der Celler Synagoge
12:31 06.05.2014
Das „Literarische Quintett“ aus Uetze und Gitarrist - Harald Katzsch-Duprée widmeten sich in der Celler Synagoge ganz der Lyrikerin Mascha Kaléko. Quelle: Felix Neumann
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Am Sonnabend stand Mascha Kaléko im Mittelpunkt einer „Lesung mit Musik“, die das „Literarische Quintett“ aus Uetze unter der Leitung von Christine Eichenberg in der voll besetzten Celler Synagoge veranstaltete.

Mit chronologisch geordneten Gedichten – eingebettet in biografische Hintergrundinformationen – bot das Quintett den gebannt lauschenden Zuhörern eine spannende Führung durch Kalékos Leben. Der Gitarrist Harald Katzsch-Duprée verlieh den Texten mit raffinierten Untermalungen eine melancholisch-suggestive Wirkung.

Die Interpreten machten durch ihre gelungene Textauswahl die dichte, beinahe isolierte, mitunter beklemmende Atmosphäre in deren Leben spür- und hörbar, ihre Einsamkeit, ihre Traurigkeit, ihre Sehnsucht nach Liebe und ihren Hunger nach Leben, der nie wirklich gestillt werden konnte („Man braucht nur eine Insel allein im weiten Meer; man braucht nur einen Menschen, den aber braucht man sehr“).

Man hat Mascha Kaléko verglichen mit Morgenstern, Kästner und Ringelnatz, sie habe deren Verspieltheit, satirische Schärfe und Sprachwitz, heißt es. Aber in den zärtlich-weiblichen Rhythmen ihrer Verse kommt immer noch ein Sehnen hinzu, eine zarte Zerbrechlichkeit, die den Atem nehmen kann. „Sie sieht die Welt mit einer lachenden Träne im Auge“, hat Heine diesen eigenartigen Reiz ihrer mitunter „scherzhaften Melancholie“ beschrieben. In der Tat ist ihre Poesie stets auch von einer bezaubernden Prise Ironie begleitet, in einer Verbindung von Berliner Schnoddrigkeit mit ostjüdischer Wärme und Melancholie, und lässt gerade dadurch keine falsche Sentimentalität aufkommen. Aber diese Prise Ironie ging leider gelegentlich unter, weil ihre Verse bisweilen mit übertriebenem Pathos und etwas zu gekünstelt vorgetragen wurden und dann doch ungewollt sentimental wirkten.

Von Rolf-Dieter Diehl