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Celle Stadt Matthias Horndasch beeindruckt mit bewegendem „Konzert für das Erinnern“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Matthias Horndasch beeindruckt mit bewegendem „Konzert für das Erinnern“
13:38 11.11.2010
Matthias Horndasch bei seinem Konzert in der Celler Synagoge. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Zu einer ergreifenden Gedenkveranstaltung wurde das „Konzert für das Erinnern“ in der Celler Synagoge: Auf Einladung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit las der engagierte hannoversche Künstler Matthias Horndasch aus den Lebenserinnerungen von fünf Zeitzeugen, die als jüdische Kinder und Jugendliche das „Dritte Reich“ erlebt haben. In bewegenden Worten zeichnete er die Stationen der wachsenden Diskriminierung und Verfolgung von Juden unter dem NS-Regime bis hin zur Vernichtung in den Konzentrationslagern nach.

Die authentischen Berichte wurden durch Horndaschs gefühlvoll dargebotenes Klavierspiel adäquat ergänzt, als er zwischen den tagebuchähnlich zusammengetragenen Episoden Klangbilder in den Raum malte – mal unbefangen-lichte Aquarelle, mal bedrückend-triefende Ölgemälde – und auf diese Weise alle Sinne der bewegt lauschenden Zuhörer ansprach. Er nutzte dazu alle nur denkbaren musikalischen Facetten von klassischer Poesie bis zu jazziger Dramatik, um seinen Vorträgen Ausdruck und Nachdruck zu verschaffen und das Publikum all die Episoden der jüdischen Kinderseelen von einst mitempfinden zu lassen: Von der anfänglichen kindlichen Unbeschwertheit über verständnisloses Grübeln bis zur Sprachlosigkeit, von der gutgläubigen Hoffnung über die verzweifelte Erkenntnis bis zur hilflosen Resignation. Da wirkten die Klänge des Klaviers oft wie ungläubig gemalte Fragezeichen, wie Erlebnisse, für deren Wiedergabe es keine Worte gibt, bisweilen aber auch einfach schlicht und ergreifend wie Tränen, die mitten hinein ins junge Leben tropften. Etwa wenn ein kleines Mädchen die Deportation des Vaters miterleben musste. Oder wenn ein junger Bub auf dem dreiwöchigen Transport von Buchenwald nach Dachau morgens zwischen verhungerten Toten erwachte. Oder wenn das Grauen buchstäblich zum Alltag wurde, wenn die Zeitzeugen von den „ganz normalen“ alltäglichen Quälereien im Lager berichteten, von brutaler Folterung, unmenschlicher Grausamkeit und tiefster Entwürdigung. „Die Geschichte jener, die damals leiden mussten“, fordert Horndasch mit seinem Konzert, „darf niemals in Vergessenheit geraten.“

Von Rolf-Dieter Diehl