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Celle Stadt Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ im Celler Schlosstheater
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ im Celler Schlosstheater
14:02 26.10.2017
Thomas Wenzel, Alexander Prizkau, Katrin Steinke Quintana, Niklas Hugendick und Verena Saake (von links) sind die Besetzung des Stückes „Biedermann und die Brandstifter“ im Celler Schlosstheater. Quelle: Schlosstheater Celle
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Es handelt vom braven Bürger und Geschäftsmann Gottlob Biedermann, der zwei Menschen in seinem Haus aufnimmt, obwohl von Anfang an zu vermuten ist, dass sie sein Haus anzünden werden. Es ist ein Stück, das bei seiner Uraufführung in Zürich mit so bekannten Schauspielern wie Gustav Knuth, Ernst Schröder und Boy Gobert im Jahre 1958 große Aufmerksamkeit erhielt.

Das Stück ist entstanden über den Umweg eines Erzähltextes mit dem Titel „Burleske“, der Grundlage wurde für ein Hörspiel, das 1953 erstmals gesendet wurde. Erst danach entstand die Theaterfassung, die für Furore sorgte, der im weiteren Sinn dazu führte, dass Frisch letztlich für die Deutsche Erstaufführung in Frankfurt noch ein Nachspiel zum Stück schrieb, das er später vergessen machten wollte. In Celle haben sich Regisseur Ralf Siebelt und Dramaturg Ralph Blase nun dazu entschieden, dieses inzwischen kaum mehr bekannte Nachspiel mit aufzuführen.

Der 1911 geborene Max Frisch war ein Mensch, der sich lange nicht entscheiden konnte, ob er den Weg eines freien Künstlers würde gehen wollen oder lieber einer sicheren Arbeit nachgehen will. Seine erste Ausbildung und Tätigkeit als Architekt hat beides teilweise vereint, letztlich hat er sich doch der Existenz eines Künstlers zugewandt, was er sich auch spätestens ab dem Ende der 50er Jahre gut leisten konnte, denn sein literarisches Durchbruch brachte ihm auch einen gewissen Wohlstand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Frisch nicht nur Carl Zuckmayr kennengelernt, sondern, noch wichtiger für sein Schreiben, Friedrich Dürrenmatt und Bertolt Brecht. Dessen Schreib- und Spielweise wurde für Frisch bedeutend, weshalb auch der von Brecht immer wieder gebrauchte Begriff des Lehrstücks bei Frischs „Biedermann“ auftaucht. Man kann ihn eher als Ironisierung verstehen. Es heißt ja auch „Lehrstück ohne Lehre“. So wundert es nicht, dass das Produktionsteam im Gespräch immer wieder den Humor des Stückes betont. Und eine Reduktion des Stückes auf seine tagespolitische Aktualität wäre nicht in ihrem Sinn. „Frisch stellt im Stück die Frage nach den Brandstiftern, beantwortet sie aber nicht. Brandstifter sind doch nichts anderes als Dämonen und allgemeine Ängste. Das Stück ist eine zeitlose Parabel. Und das Nachspiel im scheinbaren Himmel, der sich als Hölle erweist, zeigt dann die Ratlosigkeit der Hauptfiguren im Umgang mit diesen Ängsten.“

Von Reinald Hanke