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Celle Stadt Max Raabe begeistert in Celler Congress Union
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Max Raabe begeistert in Celler Congress Union
12:48 27.04.2016
Von Andreas Babel
Celle Stadt

„Max Raabe & das Palast Orchester“ kommen schon seit Jahren nach Celle, dieses Mal blieben einige Dutzend Plätze weit hinten im großen Konzertsaal leer – etwa 1050 hatten aber doch ihren Weg hinein gefunden. Und sie bereuten ihr Kommen keineswegs. Schon seit Jahren lässt Raabe seinem Ensemble stets großen Raum. Dieses Mal aber nahm er sich noch mehr zurück und das zwölfköpfige Orchester durfte auch einige Stücke ganz ohne Gesang darbieten.

Neu waren die dezent eingesetzten kleinen Film- und Foto-Einspieler, die manchmal hinter den Musikern zu sehen waren. Einmal überraschte Raabe, als er neben dem Schifferklavier spielenden Pianisten Ian Wekwerth auf der Empore auftauchte und von dort herabsang. Mit den ganz leisen Tönen beeindruckte Raabe. Aufs Schmettern verzichtete er ganz. Besonders starken Applaus ernteten auch Cecilia Crisafulli für ihr gefühlvolles und ausdrucksstarkes Geigenspiel und Thomas Huder für die virtuose Beherrschung seiner Trompete.

Dieses Konzert war keine pure Zeitreise, denn es wurden einige Lieder dargeboten, die aus diesem Jahrtausend stammen, aber ein 91-jähriger Celler und seine Frau wurden durch die meisten Stücke doch in ihre frühen Kindertage zurück katapultiert, was den beiden stilvoll gekleideten Senioren sichtlich Freude bereitete.

Raabes Moderationen sind ein Vergnügen für sich. So vermutete er, dass zahlreiche Socken, die in Waschmaschinen verloren gegangen sind, „durch das Raum-Zeit-Gefüge irren“, da die Rotation des zylindrischen Körpers die kleinen Kleidungsstücke offenbar auf „Zeitreise“ schicke.

Raabes Lieder handeln meist von der Liebe und den damit einhergehenden Irrungen und Wirrungen – und das ist in allen Ländern und Sprachen gleich, wie die Liedauswahl beweist. So sang Raabe auch US-amerikanische und kubanische Songs. Die meisten der Stücke sind zwischen 1928 und 1932 entstanden und zeugen von einer scheinbar heilen Welt, einer Welt, die die Nationalsozialisten wanken ließ.

Dem 91-jährigen Celler raubten die Kriegstreiber seine Jugend, seine Begeisterung für die Musik seiner Kindertage ist aber geblieben. Musik kann Gefühle transportieren und sie kann sie offenbar auch konservieren und wieder wecken. In diesen Erinnerungen schwelgten die allermeisten der Konzertbesucher, die schon betagt sind.