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Celle Stadt Max Raabe brilliert in Celler Congress Union
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Max Raabe brilliert in Celler Congress Union
18:59 23.01.2014
Von Andreas Babel
Max Raabe und das Palast-Orchester brachten in der Congress Union Celle alte und neue Lieder meisterhaft zu Gehör. Quelle: Alex Sorokin
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Über 80 Jahre sind vergangen, seitdem die Lieder, die Max Raabe am Mittwochabend in der Celler Congress Union darbot, zum ersten Mal erklungen sind. Es sind auch schon über 25 Jahre vergangen, seitdem dieser begnadete Sänger das Palast-Orchester gegründet hat. Nun stand der ausgebildete Opernsänger wieder einmal auf der im großen Lastwagen mitgebrachten zweistöckigen Bühne auf den Brettern, die für ihn die Welt bedeuten. In Celles größtem Saal nahm er die rund 1200 begeisterten Besucher mit auf eine musikalische Zeitreise.

Der Meister der zarten Töne, der minimalistischen Mimik und der gediegenen Gestik – ganz feiner Herr und vollkommen ohne Starallüren – präsentierte ein Programm, das eine Mixtur aus alten Liedern der ausgehenden 1920er- und beginnenden 1930er-Jahre und neuen Kompositionen ist, die aus der Zusammenarbeit mit der Liedermacherin Annette Humpe entstanden sind.

Nicht mehr zu überbieten waren die Beifallsstürme, die nach dem „Somewhere over the rainbow“ durch den Großen Saal brausten, als Pianist Ian Werkwerth diesen Evergreen „an der Hausbar“ zum Besten gab, wie Raabe scherzhaft sagte. Der Klavierspieler gehört als einziger neben Raabe von Anbeginn an zur Formation. Er strich so zart über die Ränder der mit Wasser gefüllten Gläser, dass die Besucher den Atem anhielten, weil die Klänge sie in eine andere Welt zu entführen schienen.

Sämtliche Musiker des zwölfköpfigen Orchesters sind Könner. Jeder von ihnen brillierte immer mal wieder mit geschickt in Szene gesetzten Soli, die das fachkundige Publikum spontan mit Beifall honorierte.

Von den Männern, welche die Texte zu den alten Liedern geschrieben haben, könnten heutige Liedermacher eine Menge lernen. So erfahren wir in einem Tango, dass Susi schon Ende Mai die deutschen Seebäder in Swinemünde, Binz und auf den Nordseeinseln Sylt und Norderney besuchte. An der Beliebtheit dieser dem Meer nahen Gefilde hat sich bis heute nichts geändert.

„Zwei Treppen links im Nachbarhaus“ (1931) versetzte den Sänger in einen Liebesrausch, weil dort ein bezauberndes Wesen eingezogen ist. Das steigerte sich noch im anschließenden Lied „Schöne Isabella von Kastilien“ (1932) – einer der wenigen Darbietungen, die offenbar bei keinem Celler Konzert des Berliner Künstlers fehlen darf.

Nach weiteren Liebesliedern, eines davon im Duett mit der Violine der anmutigen Cecilia Crisafulli aufgeführt, wendete sich Raabe den Weiten des Weltraums zu. Schon 1927 machte sich der Texter Gedanken über Reisen zum Mars. In diesem Zusammenhang berichtete Raabe von einem „unlängst“ durchgeführten Experiment, bei dem sich „sechs erwachsene Menschen“ 17 Monate in eine Röhre wegschließen ließen „und so tun, als flögen sie zum Mars, um festzustellen, wie sie miteinander auskommen“. Und die Pointe: „Eine Reise mit der Deutschen Bahn hätt‘s auch getan.“ Auch den schier unendlichen Bau des Berliner Hauptstadt-Flughafens nahm der Bariton auf die Schippe.

Die Titel seines neuen Tonträgers „Für Frauen ist das kein Problem“ kamen wie die seines Vorgängers „Küssen kann man nicht alleine“ in Celle genauso gut an wie die nachgesungenen. Max Raabe bleibt dabei stets seinem Stil treu.

1986 war Max Raabe zum ersten Mal als Sänger des Palast-Orchesters zu hören. Heute – als 51-Jähriger – wirkt er noch so frisch wie ehedem. In weiteren 28 Jahren dürfte er diese seine Lebensrolle immer noch perfekt ausleben, man kann nur hoffen, dass er seine Kunst dann weiterhin seinen Anhängern zeigen wird.