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Celle Stadt Max Zähle: "Die Celler Schrotthändler sind tolle Menschen" (mit Bildergalerie)
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Max Zähle: "Die Celler Schrotthändler sind tolle Menschen" (mit Bildergalerie)
17:09 29.04.2016
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Nach Ihrer Oscarnominierung steht Ihnen die ganze Welt offen und Sie drehen Ihren ersten Spielfilm in Celle ...

Am Mittwoch feiern 1000 Celler in den Kammerlichtspielen Max Zähles ersten Spielfilm über das Schrotthändlermilieu. Vorab fragte CZ-Redakteurin Dagny Rößler den Regisseur, wie viel Celle in "Schrotten!" steckt. Ohne Kalli Struck wäre der Film nicht möglich gewesen.

Ich hatte hier wirklich eine tolle Kindheit, auch wenn ich zum Filmstudium nach Hamburg gegangen bin. Mit meinem oscarnominierten Abschlussfilm war ich in Kalkutta, also ganz weit weg. Danach wollte ich erst einmal schauen, was für Geschichten es zu Hause gibt. Außerdem wusste ich ja, was Celle für tolle Kulissen zu bieten hat. Man spürt, dass das Fachwerk über Jahrhunderte geprägt ist, das kann man nicht nachbauen.

Wie ist die Idee entstanden, einen Film übers Schrotthändlermilieu zu machen?

Die Schrotthändler waren immer ein Teil meiner Jugend. Als Kind war ich befreundet mit Jungs vom Schrotthandel, mit denen habe ich im Fußballverein und auf Halden gespielt. Das war für mich nichts Außergewöhnliches. Erst wenn man nach Jahren zurückkommt, bemerkt man im Gespräch mit anderen, was das eigentlich für eine eigene Welt ist.

Welche Celler Gestalten sehen wir in Ihrem Film wieder?

Der Kern der Handlung ist der Überlebenskampf der Schrotthändler. Kalli Struck als Celler Urgestein hat uns unglaublich geholfen. Er hat eine unglaublich spannende Lebensgeschichte und kann viel für über die Kultur der Schrotthändler erzählen, die schon seit Jahrhunderten währt. Kalli und seine Jungs haben sich unheimlich viel Mühe gemacht, uns an ihr Gewerk heranzuführen. Sie haben mich zwei Tage mit dem Lkw mitgenommen, da habe ich das ganze Handwerk erlernt. Gelernt, was wie viel wert ist, welche Route sie fahren, wie man die Ladung richtig sichert. Wir haben zwei Jahre in der Umgebung verbracht, um ein Gefühl für die Geschichte zu entwickeln. Natürlich musste Kalli im Film den „Übervater“ spielen. Ich hoffe, dass beim Publikum Verständnis für die Situation der Schrotthändler aufkommt. Das sind ganz tolle Menschen: wahrhaftig, ernst, loyal. Ohne sie wäre der Film nie entstanden.

Ihr Film als Publikumsliebling hat auch einen ernsten Kern ...

Das Nachhausekommen ist ein großes Thema in meiner Generation. Wir sind um die Welt gereist, wollten was erleben und am Ende kehren wir dann doch wieder zurück nach Hause. Das ist Mirkos Geschichte in „Schrotten!“. Der Film beschreibt, dass Heimat kein Ort ist, sondern ein Gefühl. Das ist der emotionale Kern der Geschichte.

Kam das Heimatgefühl auch bei den Dreharbeiten auf?

Die Crew fühlte sich die ganze Zeit willkommen. Uns hat zum Beispiel die Altstädter Schützengilde geholfen. Die Schützen wiederum hatten guten Kontakt zum Spielmannszug Westercelle – und so sind sie alle kurz im Film zu sehen. Ein Ort, mit dem ich mich ganz verbunden fühle, ist das „Rio‘s“. Das ist der Ort meiner Jugend. Dort hat die komplette Crew Bergfest gefeiert und einen wunderschönen Abend verbracht. Das zeigt, wie wir mit offenen Armen empfangen wurden. Dabei entstand zwar nur ein persönliches Gefühl, aber das spielt in einen Film auch hinein.

Wie viel Celle steckt noch im Kinofilm?

Wir haben den Showdown auf dem Kleinen Plan gedreht. Das war ja auch spannend, weil der Termin in die Weihnachtszeit gerutscht ist. Die Stadtverwaltung hat den Platz und die Flucht zum Glück von Weihnachtsschmuck freigehalten. Die Polizei hat uns auch geholfen. Gedreht haben wir auch bei Kalli Struck auf dem Schrottplatz. Das sind die beiden Hauptmotive. Wir waren aber auch auf der Landstraße in Hustedt und Scheuen, da bin ich früher als Kind herumgestreunert. Die Natur dort bietet ganz tolle filmische Motive.

Die Preview am Mittwoch in den Kammerlichtspielen ist komplett ausverkauft ...

Da bin ich sprachlos – das ist nicht selbstverständlich. Das zeigt, wie sehr man sich aufeinander freut. Bei 1000 Plätzen kann man sich vorstellen, was sich da abspielen wird. Wir werden den Film zelebrieren. Die Darsteller aus der Topriege der deutschen Schauspieler werden da sein. Und natürlich Kalli Struck.

Von Dagny Rößler