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Celle Stadt Maybebop begeistert über 700 Zuhörer in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Maybebop begeistert über 700 Zuhörer in Celle
19:13 23.09.2016
Von Andreas Babel
Celle Stadt

Lausbuben sind sie geblieben, auch wenn sie schon zwischen 36 und 43 Jahren alt sind. Gelenkig sind sie geblieben, was sie beweisen, wenn sie über die Bühne tanzen und springen. Und witzig sind sie wie keine andere A-cappella-Band. Die vier nehmen sich selbst nicht ernst, strotzen nur so vor Spielfreude, Herumalberei und Kreativität.

Dem Abend hat es sehr gutgetan, dass Tenor Jan Malte Bürger bei sechs Stücken der Leadsänger war und dass Bass Sebastian Schröder fünfmal die tragende Rolle singen durfte. Die hohen Töne von Bürger und die tiefen von Schröder umschreiben die Bandbreite der Band, die das Publikum zwischen um die 10 und um die 90 Jahre in seinen Bann zieht.

Gleich beim ersten Lied konnte man erkennen, dass viele Stücke einen ernsten Inhalt transportieren, für den in den meisten Fällen der Kopf und Mitgründer der Band, Oliver Gies, verantwortlich zeichnet. „Das darf man nicht“ thematisiert scheinbar kleine Alltagssünden wie den Abfall nicht getrennt, trotz Verbots den Rasen betreten und schon mal jemandem beim Spazierengehen nicht gegrüßt zu haben. Aber schon hier bekommt die politische Gruppierung „Alternative für Deutschland“ einen ersten Seitenhieb ab („Ich verharmloste die AfD.“).

Schröder scheint der Mobiltelefon-Mann der Band zu sein, wie er durch das Lied „Mein Handy weiß es“ zum Ausdruck brachte. „Ob unter meinen Achseln Schweiß ist, ob der Papst jung oder ein Greis ist, mein Handy weiß es“, heißt es da beispielsweise.

Die Unart, immer früher weihnachtliche Knabbereien in die Supermärkte zu bringen, nimmt Bürger aufs Korn, wenn er singt: „Es gibt keinen Adventskalender im September“ – extrem hoch und extrem gut, Gänsehaut pur.

Einen weiteren Höhepunkt verdankt das Publikum der Neuntklässlerin Carlotta Jensen, die auf der Bühne das Justin-Bieber-Lied „Love Yourself“ zum Besten gibt. Die Band nimmt sich dabei total zurück, gibt der Cellerin Raum für ihre kraftvolle, rauchige Stimme, die den Popsong ganz anders rüberkommen lässt als das Original. Einen kurzen Video-Clip davon hat die CD-Kaserne gestern auf ihrer Homepage hochgeladen.

Kongenial auch wieder Gies, der aus den zugerufenen Begriffen „Frischfleisch-Frikadelle, Brangelina, Wurzelbehandlung, Videospiel und Elektronenmikroskopie“ einen Rap zaubert, den seine drei Mitsänger mit Irish-Folk-Klängen begleiten.

Weitere Höhepunkte bilden die „Erlkönig“-Interpretation, bei der jeder der vier einen passenden Part singt, und die „Festung“, in der Schröder herrlich diabolisch umherirrt – begleitet von Tritten seiner Mitstreiter, die unter die Haut gehen. Maybebop ist „maybe the best“ (vielleicht die beste) Band des deutschsprachigen A-cappella-Gesangs, weil sie das liebt, was sie so gut kann. Und das spürt man eben einfach.