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Celle Stadt Mehr Praxis - weniger Theorie: Erste-Hilfe-Kurse auch in Celle gestrafft
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mehr Praxis - weniger Theorie: Erste-Hilfe-Kurse auch in Celle gestrafft
19:47 30.03.2015
Von Carsten Richter
 Was tun im Notfall? An die Stelle von Frontalunterricht sollen in den Erste-Hilfe-Kursen mehr praktische Übungen rücken. Auf problemorientiertes Lernen komme es an, heißt es vom Celler DRK.   Quelle: DRK
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Die Hemmschwelle ist oft hoch, doch zumindest bei der Führerschein-Ausbildung wird jeder einmal mit dem Thema konfrontiert: Mit dem Ziel, die Zahl der Ersthelfer zu erhöhen, werden die Lehrgänge bei Hilfsdiensten wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) und den Maltesern vom 1. April an gestrafft – auf eine einheitliche Dauer von neun Stunden. Darauf haben sich die fünf großen Hilfsorganisationen in der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe verständigt. Konkret bedeutet das: Statt bisher zwei Tage soll die Ausbildung für Erste Hilfe in Betrieben nur noch einen Tag dauern. Praktisches Üben rückt an die Stelle von Frontalunterricht. In Celle stoßen die Neuerungen überwiegend auf ein positives Echo.

"Es ist wichtig, die Ausbildung auf das Notwendigste zu reduzieren", sagt Uwe Ammoneit, Leiter des Celler DRK-Rettungsdienstes. Dennoch sei die Meinung in der Ausbilderschaft zu dem Thema durchaus zweigeteilt. Zum Beispiel fallen in den Ersthelfer-Kursen Informationen über Verbrennungen weg. "Das wird jetzt nur noch in den Fortgeschrittenenkursen behandelt."

Nicht jeder finde das richtig, doch es komme vor allem auf problemorientiertes Lernen an, so Ammoneit. "Vieles wird schließlich schnell vergessen." Daher würden nun kleine Gruppen gebildet, danach werde eine Notfallsituation geschildert. Der Ausbilder gebe lediglich eine kurze Anleitung. "Früher waren die Ausbilder Lehrer, heute sind sie Mentoren. Das ist zielführender." Geübt würden Hilfen bei Atem-, Kreislauf- und Bewusstseinsstörungen sowie der Umgang mit Defibrillatoren, so Ammoneit.

"Schon nach den ersten zwei Stunden können die Teilnehmer einen Patienten wiederbeleben", verspricht Vera Metze, Ausbildungsleiterin bei den Maltesern in der Diözese Hildesheim. Kenntnisse über den menschlichen Körper würden nur noch dort vermittelt, wo sie die praktischen Hilfen untermauern. Das Konzept überzeugt auch die Malteser in Celle. "Wir sehen die Neuerungen als gewinnbringend an", sagt Pressesprecher Christian Riebandt. "Davon profitieren vor allem Fahrschüler, Übungs- und Gruppenleiter, aber auch Ersthelfer in Betrieben."

9 statt bislang 16 Unterrichtsstunden à 45 Minuten soll die Ausbildung allgemein künftig dauern. Damit die Lehrgänge auch wirklich einheitlich sind, müssen Führerscheinbewerber dann eine Stunde mehr aufwenden – bislang war ihr Kurs acht Stunden lang. Noch hat das Bundesverkehrsministerium nicht zugestimmt, "doch wir gehen davon aus, dass die neue Ausbildung anerkannt wird", heißt es in einem Schreiben des DRK.

In jedem Fall müsse es dringend mehr Ersthelfer geben – darin sind sich alle einig. Laut Malteser sind die Deutschen mit nicht einmal 20 Prozent Helfern nach Kreislaufstillstand im internationalen Vergleich eher das Schlusslicht. Kursangebote unter www.malteser-celle.de und www.drkcelle.de.