Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Mehr barrierefreie PDF-Dateien für Sehbehinderte gefordert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mehr barrierefreie PDF-Dateien für Sehbehinderte gefordert
19:28 03.01.2017
Mit der Brailleschriftkönnen geübte Leser,in etwa so schnell lesen,wie Sehende.  Quelle: Hendrik Schmidt
Celle Stadt

Denn in vielen öffentlichen Gebäuden fehlt eine ausreichende Orientierungshilfe für Blinde, wie Werner Gläser vom Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen zum heutigen Tag der Blindenschrift sagt. „Es sollte so sein, dass bei Behörden und in öffentlichen Gebäuden mehr mit der Braille- und Profilschrift gemacht wird,“ betont Gläser. „Es gibt am Bahnhof an den Geländern jetzt entsprechende Markierungen, welche neu dazugekommen sind, aber sonst ist die Situation in Celle ziemlich schwierig.“

So wünsche sich Gläser zum Beispiel eine Wegführung entlang der Gänge im Celler Rathaus und bessere Orientierungsmöglichkeiten im Allgemeinen Krankenhaus (AKH). Mit den Verantwortlichen vom AKH sei Gläser bereits in Kontakt. Dennoch müsse mehr für Blinde und Sehbehinderte getan werden. Nicht nur was die analoge Ausschilderung anginge. Im heutigen digitalen Zeitalter seien auch bessere Orientierungsmöglichkeiten im Internet nötig, erklärt Gläser. „Es gibt Programme, die Internetseiten in Blindenschrift übersetzen können.“ Diese Texte könnten dann mit einer Brailleleiste von blinden Computernutzern gelesen werden. Viele PDF-Dateien, die besonders von Behörden genutzt werden, sind jedoch nicht darauf angelegt, von solchen Programmen genutzt zu werden. „Auch Formulare im PDF-Format müssten sich für Blinde einfacher bearbeiten lassen,“ sagt Gläser und fordert barrierefreie PDF-Dateien.

Die Gesellschaft müsse sich mehr auf Blinde einstellen, denn es gebe immer mehr. „Die Zahl der sehbehinderten Menschen ist steigend, weil die Leute immer älter werden. Es gibt jetzt schon viele Blinde und sehbehinderte Menschen, die können nicht immer gleich in ein Pflegeheim gesteckt werden. Viele von ihnen wollen ihre Selbstständigkeit behalten, deswegen müssen die entsprechenden Maßnahmen getroffen werden.“ Eine umfassendere Ausschilderung mit der Braille- oder Profilschrift in öffentlichen Gebäuden wäre eine solche Maßnahme.

Wie viele Menschen die Brailleschrift lesen können, dazu gibt es keine verlässlichen Angaben – schon zur Zahl der Blinden und Sehbehinderten in Deutschland liegen nur Schätzungen vor. Gerade junge Menschen könnten in recht kurzer Zeit Braille lernen, sagt Professor Thomas Kahlisch, Leiter der Deutschen Zentralbücherei für Blinde. Menschen, die erst im Alter ihre Sehkraft verlieren, tun sich dagegen oft schwerer.

Celler Beratungsstelle des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niederdachsen e.V.:Telefon (05141) 6669 oder per E-Mail an rv-nordostniedersachsen@blindenverband.org