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Celle Stadt Mehrheit gegen Celler Cramer-E-Center
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mehrheit gegen Celler Cramer-E-Center
15:54 23.08.2017
Von Michael Ende
Celle Stadt

"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben – Edeka Cramer hatte seine Chance", sagt WG/Die-Partei-Fraktionschef Torsten Schoeps (WG). "Leider ist mehrere Jahre lag nichts passiert – nun läuft der zögerliche Investor Gefahr, dass sein Projekt durch Ratsbeschluss gekippt wird, weil sich die städtebaulichen Rahmenbedingungen entscheidend verändert haben."

Erleichtert wegen Nigges Notbremse ist Unabhängigen-Fraktionsvorsitzender Udo Hörstmann: "Die Planungen zu einem Nebeneinkaufszentrum zur Innenstadt haben wir von Anfang an abgelehnt." Die "Hinhaltetaktik" bei den Verhandlungen habe die Stadt jetzt fast fünfeinhalb Jahre an Zeit gekostet, in der das Gelände schon längst hätte entwickelt werden können. Per Antrag forderten die Unabhängigen nun, dass schnellstmöglich die im ursprünglichen Bebauungsplan vorgesehene Wohnbebauung auf dem verhinderten Cramer-Standort umgesetzt werden.

"Es sind insgesamt mehr als fünf Jahre verloren gegangen, und wir dürfen keine Zeit mehr verlieren und müssen zügig eine Alternative für das Cramer-Projekt finden und realisieren", so AfD-Fraktionsvorsitzender Anatoli Trenkenschu.

Grünen-Fraktionsspitze Bernd Zobel kritisiert Nigge: "Wir sagen klar Nein zum Aus. Hier wird eine Chance verspielt. Ein Frischemarkt wird den Bewohnern der Altstadt und der Blumlage vorenthalten. Der geplante Discounter auf dem Gelände der alten Feuerwehr kann diese Qualität nicht bieten." Wirklich glaubhaft argumentiere die Verwaltung nicht: "Bei Vorhandensein aller Unterlagen hätte sie am 10. Juni zum Cramer-Projekt Ja gesagt. Zwei Monate später führt sie grundsätzliche Bedenken an. Welcher Blitz ist da wohl eingeschlagen?"

"Wir sind froh, dass diese Hängepartie mit Cramer endlich vorbei sein soll", sagt hingegen FDP-Fraktionsvorsitzender Joachim Falkenhagen. "Wir hatten die große Sorge, dass die Innenstadt darunter gelitten hätte. Der Markt hätte große Kundenströme an der Altstadt vorbei angezogen.“

"Geduld ist auch in der Politik keine unendliche Tugend. Während in anderen Städten landauf und landab die Baubranche boomt, wächst in Celle zwischen 77er Straße und Wehlstraße in Celle lediglich das Unkraut", so Michael Bischoff (CDU). Die CDU-Fraktion begrüße Nigges Vorschlag, der "Hinhaltetaktik" Cramers ein Ende zu setzen: "Celle kann mehr als Stillstand." Das heute wahrscheinlich "innenstadtschädliche" Cramer-Projekt solle durch ein Wohnquartier ersetzt werden.

„Herr Nigge macht es sich zu einfach,“ sagt SPD-Fraktionschef Jörg Rodenwaldt. Nigge stelle mit seiner "einsamen Entscheidung und monatelanger Untätigkeit" bei der Vertragsunterzeichnung die Investitionen eines familiengeführten mittelständischen Unternehmens "urplötzlich" in Frage: "Diese Entscheidung der Verwaltungsspitze vereitelt die Schaffung neuer Arbeitsplätze und gefährdet den Ruf der Stadt Celle." Die SPD empfehle, an Cramer festzuhalten und "endlich die vorliegenden Verträge zu unterschreiben." Andernfalls drohten "Regressforderungen in Millionenhöhe".

Nach Darstellung der Stadt war es in erster Linie Cramer, der Fristen verstreichen ließ und zu keiner Unterschrift bereit war. Bischoff: "SPD und Grüne sollten aufhören, sich verzweifelt an Cramer zu klammern und sich des alten Indianersprichwortes erinnern: Wechsle das Pferd, wenn Du merkst, dass der Gaul, den Du reitest, tot ist."