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Celle Stadt Meister genießerischen Auskostens in Celler Stadtkirche
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Meister genießerischen Auskostens in Celler Stadtkirche
16:47 10.02.2014
Das Bläserensemble „Celler Nacht- - musique“ mit (von links) Martin Pfister und Hinrich Leithäuser (Klarinetten), Dagmar Altstetter und Werner Lottmann (Hörner), Burkhard Bertram und Ekkehard Popp (Fagotte) sowie Marcus Müller und Uta Gottwald (Oboen) im Altarraum der Celler Stadtkirche. Quelle: Benjamin Westhoff
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Für Spannung und Entspannung zugleich sorgte das uneitel virtuos aufspielende Bläser-Ensemble „Celler Nachtmusique“ bei seinem Konzert am Sonntag in der Celler Stadtkirche. Auf Einladung und zugunsten der Stadtkirchenstiftung boten Martin Pfister und Hinrich Leithäuser (Klarinetten), Uta Gottwald und Marcus Müller (Oboen), Dagmar Altstetter und Werner Lottmann (Hörner), Ekkehard Popp und Burkhard Bertram (Fagotte) sowie Eckart Altenmüller (Flöte) in wechselnden Zusammensetzungen vom Trio bis zum Nonett den rund 400 Zuhörern zwar „nicht die Ohrwürmer der klassischen Musikliteratur“, wie Martin Pfister in seiner Moderation einräumte, vermittelten aber umso eindringlicher die musikalischen Effekte der ausgewählten Stücke.

Jede Einzelstimme brillierte, fügte sich aber harmonisch in den Gesamtklang der Werke. Mal mit expressiver, großbögiger Melodik und flexibler Dynamik (Jacques Iberts „Cinq pièces en trio“), mal in mitreißender motorischer Rhythmik und temperamentvoller Gestaltung (Charles Gounots „Petite Symphonie“). Mit ihrem untrüglichen Tempogefühl verstanden sie dabei einerseits das im Schwung des Allegrospiels spritzige Musizieren ausgelassen und kontrolliert zugleich auszukosten und andererseits die Adagio-Kunst in den langsamen Sätzen mit ruhig fließenden Melodiebögen und beseelt gestalteten Phrasen als musikalische Delikatessen zu servieren.

Mehr noch als in den individuellen Einzelqualitäten liegt das Geheimnis und die Faszination dieses Ensembles in der Art des Zusammenspiels, das von großer Übereinstimmung geprägt ist: Die klangliche Konzentration und die Präzision der Themeneinsätze bei den Anfangsakkorden erinnerten an das Einfädeln einer Perlenkette. Etwa bei Ludwig van Beethovens Es-Dur-Oktett „Parthia“ op. 103, als man den beträchtlichen Anforderungen des fast orchestral klingenden Werkes mit Finesse und virtuosem Spielwitz begegnete. Einfach schön, wie der serenadenhafte Reiz des Andantes hervorgehoben und das scherzoartige Menuett mit seinem reizvollen Oktavsprungmotiv förmlich hingezaubert wurde.

Als Meister des genießerischen Auskostens – von der Subtilität der verinnerlichten „Morgenstimmung“ über das exotisch-orientalische Tongemälde der verführerisch tanzenden Häuptlingstochter Anitra bis zur dramaturgisch exzellent gestalteten fantas-tischen Groteske „In der Halle des Bergkönigs“ – erwies sich das Ensemble nicht zuletzt auch bei Edvard Griegs „Peer-Gynt-Suite Nr. 1“. Eine ohne die sonst üblichen Streicher klangfarblich zwar zunächst befremdlich klingende Interpretation, die jedoch – gemessen am Beifall des Publikums – schließlich auf unein-geschränkte Begeisterung stieß.

Von Rolf-Dieter Diehl