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Celle Stadt Melancholische Nachtmusik der besten Art in Celler St. Ludwig-Kirche
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Melancholische Nachtmusik der besten Art in Celler St. Ludwig-Kirche
13:44 27.03.2017
Anja Ritterbusch (vorne) und ihre Band überzeugten in der Kirche St. Ludwig mit musikalischem Können und Charisma. Quelle: Alex Sorokin
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Zunächst zu Ritterbuschs Musikerkollegen: Bassist Peter Schwebs ist ein Musiker von ungeheurer Präsenz. Wie ein musikalisches Ortungssystem kann er vom Bass aus lenkend in den musikalischen Ablauf eingreifen, lässt mal alles fließen um dann im nächsten Moment wieder aktiv zu werden. Am klanglich eher dürftigen Piano von St. Ludwig sitzt der kreative Eike Wulfmeier, der sich weniger durch viele Töne profiliert als durch seine Konzentration auf Wesentliches.

Dann ist da noch die nicht nur den Rhythmus und Sound grundierende Schlagzeugerin Lizzy Scharnofske. Sie bringt sich immer wieder ein mit verblüffenden Klängen, mit subtilen Zwischentönen, die dermaßen gut auf den Gesang von Ritterbusch abgestimmt sind, dass man sich Ritterbuschs wunderbare Stimme kaum ohne Scharnofskes Klangzauberei vorstellen kann. Aber natürlich steht letztlich Anja Ritterbusch im Zentrum allen Interesses. Sie hat eine äußerst gut geschulte, ausdrucksstarke Stimme, die einerseits in den leichten und fast duftigen Höhen jugendlich frisch klingt, andererseits aber abgeklärte Reife ausstrahlt. Noch eine Qualität: Man versteht jedes Wort!

Ritterbusch hat einen Hang zum Melancholischen, was zur Folge hat, dass sie generell eher Stücke in verhaltenem Tempi singt. Ob bei Wulfmeiers Eigenkomposition „Winter’s Night“, bei einer Rilke-Vertonung, einem Cole-Porter-Song oder beim alten Volkslied „Ich hab die Nacht geträumet“, bei Ritterbusch und ihrer Band werden diese Stücke zu Kleinodien eines so dezenten wie kreativen Jazzspiels, das Originalität nie in den Mittelpunkt stellt, sondern wie nebenher präsentiert. Wenn das Programm nicht so viele gleichartige Stücke hinter einander gebracht hätte, dann hätte man von einem perfekten Abend berichten können.

Von Reinald Hanke