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Celle Stadt Mende: Schulgutachten greift zu kurz
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mende: Schulgutachten greift zu kurz
16:12 23.06.2011
Von Gunther Meinrenken
Celle Stadt

Die Grundschulen Nadelberg und Waldweg werden zusammengelegt, ebenso die Standorte Vorwerk und Garßen, das Ernestinum wird aufgelöst, Oberschulen (die Fusion von Haupt- und Realschulen) werden an drei oder vier Standorten gebildet. So würde etwa in der Neustadt der Hauptschulzweig verlegt und damit Platz geschaffen, um dort die Katholische Grundschule unterzubringen. Das frei werdende Gebäude könnte dann in Zukunft das Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium nutzen. Dies sind nur ein Teil der Vorschläge aus dem Schulstrukturgutachten, das sich auch mit der künftigen Schullandschaft in Celle beschäftigt und in der Elternschaft und den Schulleitungen für gehörige Unruhe sorgt.

Bei der Stadt, die die Trägerschaft über die Grundschulen inne hat, haben Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) und der für Schulen zuständige Stadtrat Stephan Kassel (SPD) die Expertise aufmerksam gelesen. Ihr Urteil: "Das Gutachten greift zu kurz." Besonders stoßen sich beide daran, dass ihrer Ansicht nach in dem 290 Seiten starken Werk der Schwerpunkt zu stark auf wirtschaftliche Aspekte gelegt worden sei. "Den Fokus nur auf die räumliche Situation und absolute Zahlen zu richten, wird dem Thema nicht gerecht. Man muss Schule unter inhaltlichen Aspekten diskutieren", meinte Mende.

Sauer stößt Celles Oberbürgermeister dabei der Umgang mit den Grundschulen im Stadtgebiet auf. "Wenn hier Fusionen angedacht werden, um Räumlichkeiten für Oberschulen oder Gymnasien zu schaffen, so werden die Grundschulen auf eine reine Verschiebemasse degradiert. Das Gutachten missachtet hier die räumlichen Bezüge, die gerade die Grundschulen zu Kindergärten, aber auch zu den weiterführenden Schulen haben."

Beispiel Katholische Grundschule. Die Idee, diese künftig im Hauptschulbereich der Neustadt unterzubringen, dürfte nicht nur eklatant am Elternwillen vorbei laufen, sondern berücksichtigt auch nicht die Bindung zum einen an die Katholische Kirche und an den Katholischen Kindergarten. Ebenfalls werde in dem Gutachten die Kooperation der Grundschule Klein Hehlen mit der Sprachheilschule missachtet. "Die räumlichen Bezüge sind wichtig, sowohl, was den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule, als auch von der Grundschule an die weiterführenden Schulen angeht. Genau in diesen Punkten wollen wir lieben eine Schulpolitik aus einem Guss machen", so Mende, der damit die Forderung nach Übernahme der Schulträgerschaft für die weiterführenden Schulen im Stadtgebiet unterstreicht.

Stadtrat Kassel bescheinigt dem Gutachten immerhin, die rückläufigen Schülerzahlen richtig konstatiert zu haben. Die Lösungen für die daraus folgenden Probleme seien jedoch zu einseitig formuliert worden. "Man muss nicht mit Schulschließungen darauf reagieren. Es gibt auch die Möglichkeit, gefährdete Standorte als Außenstellen zu betreiben", so Kassel. Auf diese Weise habe man die Chance, auch die Lehrerversorgung zu gewährleisten. Der Vorteil: Der Grundsatz "Kurze Wege für kurze Beine" könne so weiterhin Maxime der Schulstandortpolitik bleiben.

Ein Konzept für die künftige Struktur im Grundschulbereich zu erarbeiten, will die Stadt nicht überstürzen. Zunächst wolle man jetzt in einen Diskussionsprozess einsteigen. Heute werden dazu Gespräche mit den Schulleitern aller allgemein bildenden Schulen im Stadtgebiet geführt. "Wir wollen erfahren, wie das Gutachten im Kreise der Schulleitungen bewertet wird", meinte Mende. Klar ist, dass der Landkreis für eine Strukturreform auf die Kooperation der Stadt angewiesen ist. Gespräche sollen demnächst aufgenommen werden.