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Celle Stadt Menschliche Verunsicherung zwischen Schwarz und Rot
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Menschliche Verunsicherung zwischen Schwarz und Rot
17:50 06.04.2016
Celle Stadt

Explizit ist es der Zyklus „Erinnerungen“, der auf fünf Gemälden gleichsam Kapiteln Phasen des Malers abbildet. Dabei ist ein immer wiederkehrendes Bildelement die rote Backsteinmauer oder -wand. Die Bilder erinnern in all ihren privaten und gesellschaftsrelevanten Montagestücken an Pinnwände, und auch der 1953 in Ostfriesland geborene Maler taucht in jedem Bild als Porträt auf neben Zitaten aus der Literatur, Kunstgeschichte oder Philosophie und viel dargestelltem Zettelwerk.

Wichtig für Frerichs war seine Auseinandersetzung mit dem Dangaster Maler Franz Radziwill. Fenster und Skulpturen, Mauern und Wände reizen Frerichs als Metapher für den Menschen, seine Kommunikation und Isolation. Als schwarze Höhlen versprühen sie auch Angst. Überhaupt wirken die Bilder düster. Ob „Schilf“, „Agnes“, „Dreikirchen“ oder liegende Akte, trotz kräftiger Farbakzente ist der Umraum oft bedrückend, wo Frerichs porträtiert, starren die Augen fast leb- und pupillenlos umher. Geradezu beklemmend wirkt der Zyklus „Sterben und Tod“. So ist es nicht verwunderlich, dass Mitarbeiter des Finanzamtes ihr Mitspracherecht nutzten und die Passions-Reihe einvernehmlich mit Frerichs abhängen ließen, wie Ausstellungskoordinatorin Gunda Amann erklärte. So ist es ein Beweis für die Wirkungsweise von Kunst, dass der Betrachter sich von ihr angesprochen fühlt, ob nun verunsichert oder verängstigt, verzaubert oder beglückt.

Von Aneka Schult