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Celle Stadt Miklos Perenyi bietet unvergleichliches Cello-Spiel
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Miklos Perenyi bietet unvergleichliches Cello-Spiel
16:43 17.04.2013
Der ungarische Cellist Miklos Perenyi - und sein Sohn Benjamin Perenyi - boten in Celle ein Konzert, - das lange in Erinnerung bleiben wird. Quelle: Alex Sorokin
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Dieser Abend wurde zu einer musikalischen Entdeckung. Und zwar nicht nur wegen des gespielten, teilweise wenig bekannten Repertoires, sondern vor allem wegen des im Celler Schlosstheater gastierenden Cellisten Miklos Perenyi, eines Ungarn in den Mittsechzigern, der eine so spezielle Spielweise auf seinem Instrument praktiziert, dass man glaubt, noch kaum je vorher vergleichbar gutes Cello-Spiel gehört zu haben.

Perenyi lässt sein Instrument vom ersten Moment an singen. Ob er sich in extreme Höhen oder in die Tiefe des Instruments begibt, von der Mittellage gar nicht zu reden, Perenyis Ton klingt überall in seiner Charakteristik gleich. Da gibt es keine klanglichen Brüche. Deshalb kann er auch Phrasen über größte Tonentfernungen zu einer Einheit formen und damit ganz weite Spannungsbögen aufbauen.

Dabei hat sein Spiel etwas geradezu Immaterielles. Bei Perenyi hört man in keinem Moment die materielle Substanz des Instrumentes. Sein Ton klingt wie erschaffen aus dem Nichts. Er entfaltet sich im Raum, umfängt den Hörer, verzaubert ihn geradezu. Die Wurzel dazu muss wohl in Perenyis Strich liegen, denn der Cellist hat die Fähigkeit, seinen Bogen permanent mit so viel Kraft zu führen, dass ihm nie ein Ton wegbricht, eine Phrase ungewollt erstirbt. Und doch klingt sein Spiel nie druckvoll, sondern ganz leicht. Phänomenal, und zwar in dem Sinne, dass das alles kaum zu erklären ist.

Und auch der diese Klänge praktizierende Musiker erscheint als etwas ganz besonderes, hebt er sich doch so wohltuend ab von den alljährlich neu entdeckten mehr oder weniger jugendlichen Cello-Stars, die so oft mit Technik beeindrucken wollen, musikalisch aber meist nur bedingt überzeugen. Hier ist alles ganz anders.

Perenyi hat uns so viel zu sagen, dass seine technische Überlegenheit überhaupt nicht interessiert. Und wenn ihm am Anfang des Konzerts noch nicht jede Phrase in der Intonation zu hundert Prozent gelingt, dann nimmt man das nur am Rande wahr. Umso mehr freut man sich als Hörer, in einem solchen Konzert ein so selten zu hörendes Werk wie die frühe Sonate des ungarischen Musikerlandsmannes Zoltan Kodaly entdecken zu können. Perenyi ließ Kodalys hundert Jahre alte Sonate wie ein Zwischending aus musikalischer Erzählung und in sich gekehrter musikalischer Lyrik erklingen. Es gab Klangfarben zu hören, die man noch nie gehört zu haben glaubte. Einen Teil dazu trug auch der begleitende Sohn Benjamin Perenyi bei, der hier ideal ergänzend wirkte.

Denn Benjamin Perenyi weiß ganz genau, worauf es seinem Vater ankommt, und es gelingt ihm teilweise eine Annäherung an den Cello-Klang, die faszinierend wirkte und deutlich machte, dass Klavier und Cello eben doch beide Saiteninstrumente sind. Allerdings wirkte Benjamin Perenyi mit seinen gerade einmal zwanzig Jahren in den technisch schwierigen Momenten des Abends doch oft so unsicher, dass er gar nicht mehr musikalisch gestalten konnte. Schade, denn ansonsten war dieser Abend ein unerwarteter Höhepunkt des Celler Kulturlebens.

Von Reinald Hanke