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Celle Stadt Milena Fischer inszeniert „Nathan der Weise“ im Celler Schlosstheater
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Milena Fischer inszeniert „Nathan der Weise“ im Celler Schlosstheater
16:28 15.09.2017
Mauern überwinden in der Celler Inszenierung von „Nathan der Weise“: (von links) Niklas Hugendick (Tempelherr), Irene Benedikt (Recha), Dirk Böther (Nathan), Johann Schibli ( Saladin), Katrin Steinke Quintana (Daja) und Tanja Kübler (Sittah). Quelle: Alex Sorokin
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In Jerusalem lebt der reiche Kaufmann Nathan, dem die Christen sieben Söhne getötet haben. Er hat darauf Recha, ein Christenmädchen, an Kindes Statt angenommen. Als Nathan von einer Reise heimkehrt, erfährt er, dass ein junger christlicher Tempelritter Recha aus den Flammen einer Feuersbrunst gerettet habe. Nathan lädt den Retter in sein Haus, aber dieser lehnt voller Verachtung ab, weil Nathan Jude ist. Der Umgang zwischen den Angehörigen der Christen, Juden und Moslems wird von der Auseinandersetzung beherrscht, welches die wahre Religion sei. Nathan erzählt dazu die berühmte Ringparabel. Ungeachtet des konstruierten Schlusses ist das Stück vor allem wegen seiner humanen Grundhaltung fester Bestandteil aller Spielpläne.

„Wir haben überlegt,“ sagen die Dramaturgin Mona vom Dahl und die junge Regisseurin Milena Fischer, „welche Konflikte man trotz einiger Kürzungen nicht verpassen darf. Dazu gehört auf jeden Fall die Lebensgeschichte Nathans, die er in einem Monolog erzählt. Man muss sich einmal bewusst machen, was es eigentlich bedeutet, wenn die eigenen Kinder umgebracht wurden. Dann nimmt man ein anderes an und schafft es, mit diesem Kind ein neues Leben zu beginnen. Da ist es nötig, Raum zu lassen und zu fokussieren, damit man als Zuschauer die Chance hat, diese Dinge in ihrer ganzen Tragweite zu begreifen.“

Eine große Herausforderung sei es für sie, sagt Milena Fischer, sich den Text zu erarbeiten und ihn so darzubieten, dass er ganz „natürlich“ für uns heutztage klingt. „Wir wollen nicht den Vers bedienen oder ein Gedicht aufsagen.Die Schauspieler erarbeiten sich das auch selber und machen das auf einem sehr hohen Niveau.“ Aber genau das mache ihr auch viel Spaß. Mona vom Dahl ergänzt: „Es gibt Sätze, die kommen fast heutig daher, aber es gibt auch Passagen, in denen man fast den Vers bedienen muss, damit man verstehen kann, was die Sätze sagen, ohne dass die Betonung verrutscht oder einem der Satz entgleitet“ Man müsse die Auseinandersetzung mit der Sprache unter verschiedenen Aspekten führen. Wenn man die Visionen dieses Stücks ernst nimmt, dann sei es fast unglaublich, dass es heute noch nötig ist, 238 Jahre nachdem der Text veröffentlicht wurde, eine Korrektur des Blicks auf Religionen und Zugehörigkeiten vorzunehmen und Vorurteile abzubauen. „Wenn man Menschen tatsächlich begegnet, ändert sich ihnen gegenüber oft die Einstellung,“ sagt Milena Fischer, „und das ist etwas, woran ich sehr arbeite.“ Diese Probleme seien zeitlos und spiegelten sich auch in ihrer Inszenierung wider.So gesehen gibt uns „Nathan der Weise“ noch immer Antworten auf unsere Welt. Man darf gespannt sein.

Von Hartmut Jakubowsky