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Celle Stadt Mindestlohn in Celler Gastronomie: "Wir werden nicht um höhere Preise herumkommen"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mindestlohn in Celler Gastronomie: "Wir werden nicht um höhere Preise herumkommen"
19:25 20.02.2015
Von Simon Ziegler
"Der Mindestlohn spielt für alle Gastronomen eine Rolle": Matthias Buske, Michael Mertens und Sonja Schlieper (von links) in Buskes Hotel Steinförde. Quelle: Alex Sorokin
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"Wir werden aber nicht drum herumkommen", sagt Matthias Buske, Chef von Buskes Hotel Steinförde in Wietze zu möglichen Preiserhöhungen. Was um wie viel teurer wird, kann er noch nicht sagen, Buske will erst mal ein halbes Jahr abwarten. Zwar verdienten die meisten seiner Mitarbeiter schon bisher mehr als 8,50 Euro die Stunde. Spülhilfen und Reinigungskräfte hätten vor Inkrafttreten des Gesetzes zwischen 7,50 und 8 Euro bekommen. "Der Mindestlohn spielt für alle Gastronomen eine Rolle", sagt Buske.

Für Ingo Schreiber, Geschäftsführer im Thaers Wirtshaus, ist der Mindestlohn selbst gar nicht das große Thema. Wie Arbeitgeber anderer Branchen kritisiert er den hohen Verwaltungsaufwand. "Das Problem ist die Dokumentation der Arbeitszeiten", sagt Schreiber. "Generell ist es so, dass mehr Aufwand bedeutet, dass mittelfristig die Preise angepasst werden." Dafür sieht Schreiber beim "relativ niedrigen Preisniveau" im Thaers noch Spielraum.

Benno Eisermann, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands in Celle, verweist auf ein weiteres Problem in der Gastronomie. Denn Mitarbeiter dürfen maximal zehn Stunden am Tag arbeiten. Bei großen Veranstaltungen wie Hochzeiten dauere ein Arbeitstag aber oft deutlich länger. Die Verstöße würden nach dem Mindestlohngesetz quasi aufgezeichnet. Was also tun? Der Dehoga hat mit Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) über das Thema gesprochen. Sie habe zugesagt, das Anliegen wohlwollend zu prüfen, sagt Eisermann. Er glaubt, dass die kleinen Hotels und Restaurants am meisten mit dem Mindestlohn zu kämpfen haben.

Im Gastgewerbe gilt indes längst ein Tarifvertrag, dessen unterste Lohngruppe über dem Mindestlohn liegt. Allerdings sind viele Betriebe nicht tarifgebunden. Bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wird davon berichtet, dass Arbeitgeber mit verschiedenen Tricks versuchen, den Mindestlohn zu umgehen. Manche ändern die Verträge so, dass Arbeits- und Weihnachtsgeld auf den Monat umgerechnet werden. So wollen sie auf den Mindestlohn pro Stunde kommen, ohne mehr zahlen zu müssen. Es käme auch vor, dass die Arbeitszeiten nicht korrekt erfasst werden, sagt NGG-Sprecherin Karin Vladimirov. Das Gastgewerbe habe schon immer zu den von Schwarzarbeit gefährdeten Branchen gehört. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Trickserei weniger geworden ist", so Vladimirov.