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Celle Stadt Miniaturmalerei auf Vogelfedern im Celler Kanzleicafé
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Miniaturmalerei auf Vogelfedern im Celler Kanzleicafé
11:21 01.09.2017
Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Die ausgebildete Technische Zeichnerin hatte sich zunächst als Autodidaktin mit Aquarellen und Monotypien befasst, bevor sie vor fünf Jahren ihr Faible für Naturfedern entdeckte. So sind in dieser Ausstellung zwar auch zwei Monotypien vertreten, eine grafische Technik, die auf faszinierende Weise zeigt, wie wirkungsvoll und gefällig sich zeichnerische und malerische Elemente verbinden lassen und welch überraschende Wirkungen man damit erzielen kann. Doch 43 ihrer insgesamt 49 Exponate sind den bildnerischen Gestaltungsmöglichkeiten mit Naturfedern gewidmet. Hier collagierte Bilder von filigran gezeichneten Frauen, deren Kleider und Höschen aus echten Federn bestehen, dort Bilder, bei denen Naturfedern den Malgrund unter anderem für ebenso akribisch wie liebevoll gemalte Tierporträts bilden. Mit welcher Akribie und Detailfreude die Künstlerin dabei vorging, erkennt man jedoch erst bei näherem Herantreten: Mit feinstem Pinselstrich zauberte sie Wald- und Gartenvögel, Hirsche und Hasen auf die zuvor sorgfältig präparierten Federn.

Langer vermittelt dem Betrachter ihrer überaus kunstvoll gestalteten Arbeiten, deren Bandbreite sich von nahezu fotografischer Genauigkeit bis zum impressionistischen Malstil erstreckt, ein positives Gefühlserlebnis durch einfache, aber wirkungsvolle Stilelemente. Die Wertschätzung einer schlichten Vogelfeder, die zu den vielen kaum wahrgenommenen „kleinen Dingen“ am Wegrand zählt, und die Achtung unserer so schönen und verletzlichen Natur, zu der sie einen innigen Bezug hat, liegen ihr dabei besonders am Herzen. Ihr genügt es nicht, einfach nur zu malen, sondern sie vermittelt dabei auch mit Herz und Seele die von ihr erlebte Natur, verbunden mit dem Streben nach malerischer Perfektion.

Mit einem überaus feinen Gespür für Nuancen und Farbvariationen und mit einem bemerkenswerten Reichtum an präzisen Details nutzt sie die Mittel der Malerei, Fantasie und Gefühle auszuleben und ihr inneres Empfinden zwischen dynamischen Farbverläufen und ästhetischen Formen auf den Malgrund zu bringen. Mal schenkt sie da-bei dem Motiv, mal der Farbe mehr Aufmerksamkeit und lässt sich mal von spontanen oder impulsiven Eingebungen leiten, mal von der Absicht, neue gestalterische Wege zu entdecken. Wie damals, als sie ihr Faible für Naturfedern entdeckte. Ihre postkartengroßen Miniaturen sind unmittelbar zugänglich und doch so komplex, dass sie den Betrachter berühren. Die ungemein poesievollen Darstellungen wirken dabei nicht statisch, sondern wie im Vorübergehen aufgenommen, festgehalten in einem Augenblick, der „im richtigen Leben“ schnell wieder vergeht.

Von Rolf-Dieter Diehl