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Celle Stadt Mirja Boes begeistert Celler
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mirja Boes begeistert Celler
09:53 28.05.2018
Von Jürgen Poestges
Quelle: David Borghoff
Celle Stadt

Nichtsdestotrotz war es ein Abend, der es in sich hatte – auch für die Männer im Saal. Denn an der Seite von Boes war die Band „Honkey Donkeys“. Die sechs Musiker standen für das Motto der Tour: „Für Geld tun wir alles“. Sie mussten sich mal verkleidet als Banane, Einhorn, Ritter, Ballerina, Schulmädchen oder in ein Abendkleid gezwängt präsentieren. Sehr zur Freude des Publikums und der „Chefin“.

Die hatte auch einiges zu erzählen. Etwa vom Auftritt beim Volksmusikfestival mit Florian Silbereisen. „Da sieht man Sachen, die man gar nicht sehen will“, erklärte Boes. „Heino und Hannelore gibt es wirklich!“ Und Nana Mouskouri – „die Lady Gaga der Schlagerparade“, die rund 1500 Lieder herausgebracht hat. „Wenn man alle Lieder von ihr hintereinander weghört – dann wird man komplett verrückt.“

So alberte sie sich durch besondere Ereignisse und Alltagssituationen. Sie erzählte von Tupper- und Dildo-Partys, von Kinder-Sendungen, die man halt anschaut, weil die Kinder es wollen, die aber nur mit Alkohol zu ertragen sind. Und natürlich auch von der Beziehung zwischen Mann und Frau. Dazwischen das ein oder andere Lied – die Frau kann auch singen, und das gar nicht mal so schlecht. Ein Lied über die Ehe: „Meins bleibt meins und Deins ist meins“. Oder wenn beim Gespräch mit einem Mann die Augen eben jenes Gegenübers glasig werden und er nur mit „Ja ja“ antwortet. Denn „Ja ja“ heißt: … genau!

Im großen Improvisationsteil durften die Zuschauer ihre Wünsche aufschreiben: Was würden sie von der Band auf der Bühne gern einmal sehen oder hören? Die Musiker mussten einen Cheerleader-Turm bauen. Ein Frühlingsgedicht aufsagen, mal traurig, mal wütend. Dabei zeigte sich, dass besonders Trompeter Tobias Weidinger großes Talent als Schauspieler hat. Er war es auch, der den letzten Wunsch des Publikums mit Leben füllte: „My Heart will go on“, die Ballade von Céline Dion aus dem Film „Titanic“, in verschiedenen Musik-Genres: Country, Hiphop, Techno, Disco, Schlager, Death Metal – Mirja Boes krümmte sich vor Lachen am Bühnenrand, und die Zuschauer johlten vor Freude.

Das ist fast unglaublich: Da spielt ein Pianist eines der technisch und musikalisch anspruchsvollsten Stücke der gesamten Musikliteratur auf vorzügliche Weise – ein Stück, das alle Pianisten können wollen, aber nur wenige im Repertoire haben – und trotzdem ist dieser Musiker kaum bekannt. Die Rede ist von Frank Gutschmidt und seiner Interpretation der „Goldberg-Variationen“ von Johann Sebastian Bach. Gespielt hat er das Stück am Freitag im Celler Beckmannsaal auf Einladung des Künstlervereins. Natürlich war das kein Kulturprogramm für eine breite Masse, aber ein Abend, den alle Anwesenden in höchstem Maße zu schätzen wussten.

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Etwas ratlos ließ es die Zuhörer zunächst zurück, das Orgelspiel von Henning Pertiet in der Celler Pauluskirche. Der Pianist allerdings scheint dieses Gefühl zu kennen und rät: „Versuchen Sie sich auf die Klänge und Geräusche, die die Orgel und ich machen werden, so vorbehaltlos wie es geht einzulassen“. Was die lediglich 13 Zuhörer am Freitagabend zu hören bekamen, war eine freie Improvisation mit Musik zwischen Jazz, Klassik, Blues und „Musik, die es noch nie gab“.

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Sie sind alle schon erwachsen, zum größten Teil haben die Besucher der kleinen Halle der CD-Kaserne sogar die 40 bereits passiert. Und doch feiern sie etwas wie einen überdimensionierten Kindergeburtstag, ohne auch nur eine Spur kindisch zu wirken.

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