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Celle Stadt Missbrauch: Freund des Angeklagten sagt aus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Missbrauch: Freund des Angeklagten sagt aus
17:40 06.02.2012
Von Simon Ziegler
Celle Stadt

Der 24-jährige Mann aus Wietze war von der Verteidigerin des ehemaligen Jugendbetreuers als Zeuge nominiert worden. Er erklärte, die heute 17-jährige Hauptbelastungszeugin und der Angeklagte hätten ein besonderes Verhältnis gehabt, aber keine Beziehung miteinander geführt. "Wäre da etwas Ernsteres gewesen, hätte er mir das bestimmt gesagt", so der Einzelhandelskaufmann am vierten Prozesstag. Über die Missbrauchsvorwürfe, die er aus der Presse erfahren habe, hätten die beiden nicht gesprochen. "Wir haben das mehr oder weniger als Tabu-Thema behandelt."

Oberstaatsanwalt Lars Janßen setzte den Zeugen, der den Angeklagten seit 1998 kennt, unter Druck. Denn der Wietzer sagte aus, dass es bei Gesprächen und Treffen mit dem Freund nie um Frauen, sondern vor allem um Autos gegangen sei. Andererseits wusste der Zeuge zu berichten, dass sich der Angeklagte das Ok der Eltern eines heute 18-jährigen Mädchens geben ließ, um eine Beziehung mit der Minderjährigen zu führen. "Dann haben Sie doch gelogen", warf Janßen dem Zeugen vor, weil offenbar doch über Frauen gesprochen worden sei. In Erklärungsnöte geriet der Zeuge schließlich, weil er sagte, vor dem gestrigen Termin nicht mit dem Angeklagten über den Prozess gesprochen zu haben. Das musste er schließlich revidieren.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 29 Jahre alten Erzieher aus Hambühren schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes und Missbrauch von Schutzbefohlenen vor. Am nächsten Prozesstag, am 15. Februar, könnte es ein Urteil geben, deutete die Vorsitzende an. Dann wird zunächst eine weitere Zeugin, eine Freundin des mutmaßlichen Opfers, aussagen. Das Mädchen soll Auskunft darüber geben, ob und wie sich die 17-Jährige ihr anvertraut hat, bevor die polizeilichen Ermittlungen im Juli 2010 ins Rollen kamen.

Zu Beginn der gestrigen Verhandlung erklärte das Gericht, dass mehrere Beweisanträge der Nebenklage und der Verteidigung abgelehnt wurden. Das Gericht entschied per Beschluss, dass kein Sachverständigengutachten eingeholt wird, mit dem die Nebenklage eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten ausschließen wollte, weil der 29-Jährige zu Beginn des Prozesses von einer Burnout-Erkrankung gesprochen hatte. Das Gericht sei selbst in der Lage, sich ein Bild zu machen, hieß es. Zudem wird die 18-Jährige, die früher mit dem Angeklagten zusammen war, nicht erneut aussagen müssen. Die Verteidigung wollte die junge Frau vor Gericht befragen, weil sie einen weiteren jugendlichen Zeugen vor dem Gerichtssaal mit den Worten "mach ihn fertig" angestachelt haben soll. Die Zeugin habe sich bereits vor Gericht geäußert und gesagt, dass sie das Verhalten des früheren Kirchenmitarbeiters missbillige, befand das Gericht.