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Celle Stadt Mit Berliner Schnauze den richtigen Ton getroffen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mit Berliner Schnauze den richtigen Ton getroffen
15:50 03.11.2014
Jorge Idelsohn - war am Piano in seiner Rolle als Komponist - zu erleben. Quelle: Alex Sorokin (2)
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Jorge Idelsohn trifft in seiner Rolle als etwas einfallslos und unergiebig agierender Komponist auf die freche Berliner Putzfrau Lola und ist sofort von ihr fasziniert. Die spröde, charmante Ehrlichkeit der „authentica Berlinessa“ („So eine Muskulatur wie deine imponiert jeder Frau“) fordert sein lateinamerikanisches Männerblut heraus und inspiriert ihn zu einer neuen Tonschöpfung.

In diese Geschichte verpackte das ungemein kontrastreich agierende Duo „Pianlola“ eine Auswahl von Berliner Chansons unter anderem von Claire Waldoff, Friedrich Hollaender und Günter Neumann, die es – weit entfernt von „retro-Konserven“ – mit Witz, Charme und viel guter Laune lebensnah mit der Tangomusik Argentiniens zu einem erquicklichen Ganzen verknüpfte: Von „Emils unanständijer Lust“ bis zum „Neandertaler“ reichte das Angebot von Lolas übersprudelnder Lebenslust, die der Pianist immer wieder völlig bruchlos mit animierendem Tango Argentino vermengte.

Lola sorgte mit ihrer charismatischen Stimme und ihrem wandlungsfähigen Rollenspiel für ein abwechslungsreiches Geschehen. Neben der „authentica Berlinessa“ trat sie mal als frivol-mondäne Diva („Moral ist doch nur Mangel an Gelegenheit“), mal als naive Künstlerin in Erscheinung, die ihren Tag zwischen Schuhgeschäften und Nagelstudios verbringt und für Sushi schwärmt („aber mit rohem Fisch krieg ich sie einfach nicht runter“). Immer traf sie dabei den richtigen Ton und ließ in mitreißender Weise die Gefühle der jeweiligen Protagonistin auf ihr Publikum übergreifen. Sie bereicherte die Liedtexte um eine energiegeladene, dynamische Gestik und Mimik und wirkte dabei in ihrer Darstellung feminin sinnender und weiblich kokettierender Charaktere niemals übersteuert. Und Idelsohn bildete als schüchtern wirkender und überaus charmanter Denker einen buchstäblich herrlichen Gegenpart dazu.

Von Rolf-Dieter Diehl