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Celle Stadt Mit Ehrfurcht an die Mammuthaut
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mit Ehrfurcht an die Mammuthaut
15:46 29.04.2013
Von Jürgen Poestges
Thomas Heß mit dem Prachtstück, dass zur Zeit in - seiner Gerberei lagert: Ein Stück Mammut-Haut, - die rund 25.000 Jahre alt ist. Quelle: Alex Sorokin
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Verdreckt mit Schlamm, unscheinbar, unansehnlich liegt es da, ein paar braune Fellbüschel verteilen sich auf dem grauen Untergrund. Und doch ist es eine kleine Sensation, was da bei Thomas Heß in seiner Gerberei in Groß Hehlen auf dem Tisch liegt. Denn die Haut gehörte einmal einem Mammut, einem prähistorischen Elefanten, und ist 15.000 bis 25.000 Jahre alt. „Das Fell“, sagt Heß, „fühlt sich an wie Draht. So etwas habe ich so extrem noch bei keinem anderen Tier erlebt.“ Darunter erkennt man die dicke, graue Elefantenhaut, hier und da mit einem Loch.

Die Firma „Nord Fossil“ aus Halstenbek hat das gute Stück nach Celle gebracht, In der Gerberei soll die Haut nun gereinigt und entfaltet werden. Heß: „Dazu legen wir es in eine Flüssigkeit aus Salz und Weichmacher. Dann wird es auseinander gefaltet und auf eine Gestell genagelt.“ Erst dann könne man sehen, wie groß das Teilstück überhaupt sei. Zwei bis drei Wochen werde diese ganze Aktion dauern.

Vor sechs Jahren war schon einmal ein Stück Haut eines prähistorischen Giganten in der Gerberei Heß aufbereitet worden. Damals noch vom Vater des heutigen Chefs.

Sonst hat es Heß meist mit Heidschnucken- oder Rinderhaut zu tun. In letzter Zeit kommt aber auch verstärkt Material aus Schweden. „Das sind Bären, Luchse oder Biber“, erzählt der 37-Jährige, der seit seinem 18. Lebensjahr in der Firma arbeitet, die sein Vater aufgebaut hat und auch als Tier-Präparator tätig ist. Heß ist einer von vier Gerbern die es noch in Deutschland gibt. Zumeist sind Jäger, Schaf- oder Rinderzüchter seine Kunden.

„So ein Stück Mammuthaut ist aber schon etwas sehr besonderes, da geht man schon sehr ehrfürchtig an die Arbeit heran“, sagt Heß, der im übrigen noch einer vier Gerbern in ganz Deutschland. „Das Handwerk will niemand mehr ausüben, wir finden so gut wie keinen Nachwuchs mehr.“

„Gefunden haben wir die Haut in Jakutien, einer Republik von Sibirien, im Perma-Eis“, sagt Joachim Woerdemann von der Firma „Nord Fossil“. Mehr sei von dem Tier aber nicht erhalten. Das genaue Alter kann er allerdings noch nicht angeben. „Wir werden ein kleines Teil der Haut mit der C 14-Radiokarbon-Methode untersuchen.“

Und Heß ergänzt: „Das Mammut ist wohl im Schlamm eingesunken und kurz danach kam das Eis. Deswegen ist die Haut mit dem Fell auch noch so relativ gut erhalten.“ Die Haut wird dann sehr wahrscheinlich in einem Museum landen, so Woerdemann.

Mammuts, die Pflanzenfresser waren, sind im übrigen erst vor 4000 Jahren komplett ausgestorben. Das Wollhaarmammut und der Mensch sind sich noch begegnet. Es war eines der Jagdtiere der Menschen im Jungpleistozän (127.000 bis 11.800 Jahre zurück). Das ist durch zahlreiche Höhlenmalereien und eine Vielzahl von Mammutknochen in archäologischen Fundstellen belegt.