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Celle Stadt „Mit Einsatzbereitschaft zum Erfolg“ - Aus Schülern werden Geschäftsleute
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Mit Einsatzbereitschaft zum Erfolg“ - Aus Schülern werden Geschäftsleute
17:26 26.02.2010
Celle Stadt

Heute startet die neue Saison im Café kräuThaer. Wie fügt sich die Projektarbeit in Ihren Unterricht ein und welche Aufgaben übernehmen die Schüler?

Jede Schülerinnen ist insgesamt für 6 Wochen in die Leitung des Cafés und des Ladens eingebunden. Konkret muss dann beispielsweise das Speisenangebot für eine Geburtstagsfeier geplant, kalkuliert und zubereitet werden. Ergibt die Planung, dass für den Anlass weitere Arbeitskräfte benötigt werden, so müssen diese angeleitet und beaufsichtigt werden. Selbstverständlich gehören auch die Buchung der Tageseinnahmen und die abschließende Rentabilitätsberechnung zu den Leitungsaufgaben. Die Schülerinnen können dabei mit den steigenden Anforderungen wachsen .

Im Unterricht werden die theoretischen Grundlagen gelegt, zum Beispiel für die exakte Kostenkalkulation, die angemessene Mitarbeiterführung .

Sie benötigen für den reibungslosen Ablauf ihrer Projekte vom Pressesprecher bis hin zum Betriebsleiter ein vielfältiges Personal. Bekommen die Schüler hierfür ein „Berufsfeld“ zugewiesen oder wechseln sie die Zuständigkeiten?

Die Zuständigkeiten wechseln mit jedem Projekt. So hatte eine Schülerin beim Apfelfest die Küchenleitung und war für die Zubereitung aller Speisen verantwortlich. Während des Projektvorhabens „Grüne Woche“ in Berlin war sie „Finanzministerin“ und musste trotz eines fünfstelligen Etats für Unterkunft, Transport, Verpflegung und Material oft genug auf die Kostenbremse treten

Die Schülerinnen suchen sich ihre Verantwortungsbereiche nach Neigung selber aus. Das steigert die Motivation und damit das Arbeitsergebnis. So ist unser Team für Öffentlichkeitsarbeit auf der Grünen Woche zu einer Radioreportage des NDR eingeladen worden.

Sie gründen für ihre Projekte Schülerfirmen, deren Mitglieder sich mit eigenem Geld an den Investitionen bei der Produktion beteiligen. Wie funktionieren diese Firmen?

Wir gründen diese Schülerfirmen für die Produktion und Vermarktung hochwertiger Nahrungsmittel am Beginn der zweijährigen Schulzeit. Die Schülerinnen sollen sich in die Gedankenwelt des Marketings hineinversetzen- und das klappt am besten, wenn sie mit eigenem Geld im Risiko stehen. Nachdem eine innovative Produktidee gefunden wurde, werden in einem Gesellschaftsvertrag die Formalien festgehalten. Dann geht es zweigleisig weiter: Für die Tiere muss ein Stall gefunden und hergerichtet werden, der Kauf der Küken und des Futters und die tägliche Tierbetreuung stehen auf dem Arbeitsplan. Gleichzeitig werden im Unterricht zentrale Fragen des Marketings behandelt.

Bei der Schlachtung, der Verpackung und dem Verkauf müssen schließlich die Rechtsvorschriften beachtet werden. Ein serviceorientierter Umgang mit den Kunden und die betriebswirtschaftliche Projektauswertung bilden dann den Abschluss. Es ist faszinierend, wie aus einer Idee unternehmerisches Handeln wird und Risiko- und Einsatzbereitschaft zum Erfolg führen.

Wie nah kommen Sie mit Veranstaltngen wie der „Grünen Woche“ und dem Geschäftsbetrieb in Café und Laden der späteren Berufspraxis?

Viele Rückmeldungen ehemaliger Schülerinnen bestärken uns darin, dieses projektorientierte Unterrichtskonzept weiterzuführen.

Diese Schülerinnen arbeiten heute sowohl als Hauswirtschftliche Betriebsleiterinnen in Bildungseinrichtungen oder Großküchen, betreiben ein eigenes Bauerhofcafé oder studieren weiterführend Ökotrophologie. Immer wieder hören wir, dass ihnen die Möglichkeit, schon in der Schule langsam in die Rolle einer Betriebsleiterin hinein zuwachsen und dabei auch Fehler machen zu dürfen, den Start in die Praxis erleichtert hat.

Wie viel Zeit und Aufwand benötigen Sie für die Projekte?

Der Zeitaufwand ist schon erheblich. Zu allen Projektaufgaben gehört eine schriftliche Vorplanung und Nachbereitung mit den Unterpunkten Information, Planung, Entscheidung, Durchführung, Kontrolle und Reflektion. Die Projektarbeit findet häufig auch am Wochenende statt und führt Schüler und Lehrer manchmal auch in die Grenzbereiche der Leistungsfähigkeit.

In welchen Bereichen kann der praxisnahe Unterricht Ihren Schülern bei der späteren Berufswahl helfen?

Bei einer Befragung in dieser Woche wussten alle Schülerinnen detailliert in welchem Bereich des umfangreichen hauswirtschaftlichen Arbeitsfeldes sie nach den Sommerferien arbeiten möchten. Genannt wurden: Hausdame im Hotel, Arbeit in Großküchen und in Jugendherbergen oder Gesundheitseinrichtungen. Die Bereiche Landtourismus, Bauernhof-Café und Direktvermarktung gehören ebenso zu den angestrebten Arbeitsbereichen. Eine Schülerin möchte auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten, zwei streben ein Studium an und eine Schülerin möchte praktische Hauswirtschaft unterrichten. Alle Schülerinnen schätzen ihre Berufsaussichten positiv ein.

Seit 10 Jahren lernen Schüler an der Albrecht-Thaer-Schule durch selbstständige Arbeit im schuleigenen Café und Laden den Ablauf eines Betriebes kennen. Ab diesem Sonnabend können Kunden sich wieder im „Café KräuThears“ bewirten lassen. Die CZ fragte den betreuenden Lehrer Burkhard Dierks nach den Hintergründen des Projektes. Das Gespräch vor Ort führte CZ-Mitarbeiterin Wiebke Quader.

Gespräch vor Ort

„Mit Einsatzbereitschaft zum Erfolg“

Aus Schülern werden Geschäftsleute

Praxisnaher Unterricht soll den Einstieg in die Berufswelt erleichtern

Von Wiebke Quader