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Celle Stadt Mit Klasse den Nerv getroffen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mit Klasse den Nerv getroffen
12:59 28.01.2014
Roswitha Dasch (rechts) und Ulrich Raue trafen in ihrem Programm „Es liegt was in der Luft“ den Nerv der Zeit. Quelle: Alex Sorokin
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Mischa Spoliansky wurde als Kind einer musikalischen Familie geboren. Nach Warschau, Wien und Königsberg floh er mit Kriegsausbruch 1914 nach Berlin. Dort arbeitete er als Pianist in Kaffeehäusern, wirkte in einem russischen Emigrantenkabarett mit und wurde von Friedrich Hollaender und Werner Richard Heymann gehört. Sie luden ihn ein, für das literarische Kabarett „Schall und Rauch“ im Großen Schauspielhaus zu spielen und zu komponieren.

Spoliansky vertonte Texte von Tucholsky, Klabund, Ringelnatz und begleitete Stars wie Gussy Holl, Paul O’Montis, Rosa Valetti und Trude Hesterberg am Klavier. In seiner Revue „Es liegt in der Luft“ trat 1928 Marlene Dietrich auf. Die Zeit pulsierte. Aber die Zeiten kippten bald, und Spoliansky emigrierte.

Den Schwindel der Emotionen, die Ausdruckssprache Musik brachten Dasch und Raue auf wundervolle Weise den Zuhörern näher. Dasch sang und spielte Violine in so intensiven Herztönen, dass es berührte. Raue traf ebenfalls stimm- und tastenstark den Nerv der Zeit. Beide zeigten, wie Spoliansky lyrische, aufrüttelnde, zartbesaitete, schnoddrige und spöttelnde Zeitstrophen in Musik kleidete.

Von Aneka Schult