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Celle Stadt "Mit gesundem Bewusstsein"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Mit gesundem Bewusstsein"
18:28 02.12.2016
Jason Stening macht eine duale Ausbildung bei der Stadt Celle. „Von klein auf habe ich gelernt, mit meiner Behinderung umzugehen“, sagt er. Quelle: Michael Schäfer
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Die Stadt Celle beschäftigt mehr als 1000 Mitarbeiter in den unterschiedlichsten Berufen. Die Celler Stadtverwaltung erfüllt die Quote für Schwerbehinderte. „Wir liegen seit Jahren über den geforderten fünf Prozent“, sagt die Leiterin der Personalabteilung, Roswitha Lampe. Auch unter den Auszubildenden sind zwei Schwerbehinderte. Bundesweit waren 2013 gerade einmal 0,5 Prozent der Lehrlinge in der dualen Ausbildung schwerbehindert.

„Gerade Jason Stening geht mit einem gesunden Selbstbewusstsein durchs Leben“, betont Lampe. Der 18-Jährige macht eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten im Neuen Rathaus und hat einen verkürzten Arm. „Ich habe es ja von Geburt an, ich kenne es nicht anders. Von klein auf habe ich gelernt, damit umzugehen“, erklärt Stening. „Hätte ich einen Unfall gehabt, wäre mir die Umstellung schwerer gefallen.“

Seit August 2015 arbeitet Stening in der Stadtverwaltung und hat bereits vier verschiedene Abteilungen durchlaufen. Am liebsten hantiert er mit Zahlen, und auch der Kundenkontakt macht ihm Spaß. Zur Kommunalwahl war er auch im Wahlbüro tätig. „Ich bin gewohnt, dass die Leute gucken, trotzdem habe kein Problem, ins Freibad zu gehen“, erzählt er. Er arbeitete im Wahlbüro, um den Cellern vor und nach der Stimmabgabe zu helfen. Deshalb fand er es auch „merkwürdig“, dass einige Wähler ihm beim Falten der Umschläge und Zettel ihre Hilfe angeboten haben. „Ich mache das schon“, habe er ihnen dann gesagt.

In den handwerklichen Berufen wäre es schwer für Stening geworden. „Doch mir war schnell klar, dass ich am Computer arbeiten werde“, sagt er. Also bewarb er sich auch beim Landkreis und als Industriekaufmann. „Am Anfang habe ich den Fehler gemacht, es nicht zu erwähnen, da ich es nicht als großen Nachteil gesehen habe.“ Dabei werden Schwerbehinderte bei gleicher Eignung bevorzugt behandelt. Die Stadtverwaltung habe damit gute Erfahrungen gemacht, erläutert Lampe.

Bisher hatte Stening in seinem Leben kaum Hürden zu meistern. Er besuchte die Realschule, erst dort forderte er den „Nachteilsausgleich“ ein, bei textlastigen Klassenarbeiten in Politik und Deutsch mehr Zeit zur Bearbeitung zu bekommen. Doch den Führerschein zu erwerben, war für ihn schon eine Herausforderung. Nach einem halben Jahr Papierkram darf er nun einen Automatikwagen fahren mit einem speziellen Knauf am Lenker, da ihm im rechten Arm die Zugkraft fehlt. Gerade im Kreisverkehr und beim Einparken wird es schwierig für ihn ohne die Hilfsmittel.

Um den „Lappen“ endgültig zu bekommen, brauchte er ein medizinisches Gutachten, doch anfangs erhielt er von seinem Facharzt nur eine Stellungnahme. Um sich in die juristischen Feinheiten einzulesen, suchte er selbstständig im Internet nach Lösungen. Beraten lassen musste er sich noch nicht: „Ich komme schon alleine klar.“

Von Dagny Rößler