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Celle Stadt Mitmenschen in Not: Celler Wohnung platzt aus allen Nähten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mitmenschen in Not: Celler Wohnung platzt aus allen Nähten
18:53 16.12.2016
Celle Stadt

Frank Löhns hat keine abgeschlossene Ausbildung und arbeitet aushilfsweise auf dem Bau. Seine Frau Anette leidet seit ihrer Jugend schon unter Rheuma und schafft es daher nur halbtags als Verkäuferin zu arbeiten. Ihre drei Söhne besuchen die Grund- und die Oberschule in Celle. Die Familie erhält mitunter finanzielle Unterstützung, wenn der Vater ohne Beschäftigung ist.

Die Löhns wohnen in einer, kaum ausreichend Platz bietenden, Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung – die Jungs teilen sich den größten Raum zu dritt. „Wir hatten keine große Wahl, und mussten vor zwei Jahren nehmen, was kam“. Damals wohnte die Familie in einem kleinen, ziemlich baufälligen Häuschen auf dem Land zur Miete – bis die Bauaufsicht die Räumung angeordnet hat. „Es bestand in manchen Teilen Einsturzgefahr – das hätte ich noch hinbekommen – vor allem aber war der Schimmelbefall in den feuchten Wänden sehr stark und gesundheitsgefährdend. So kurz auf schnell haben wir nur diese Wohnung bekommen. Der Vermieter schien sehr nett und hat uns die übliche Kaution erlassen, wollte aber die Nebenkosten „der Einfachheit halber“ über sein Konto laufen lassen. „Das Ganze sollte eigentlich nur vorübergehend eine Unterbringung sein.“

Im Zuge der aktuellen Wohnungsmarktentwicklung ist eine bezahlbare Wohnung in ausreichender Größe allerdings schwer zu finden, selbst wenn über Hartz-IV Wohngeld bezogen wird. Vor drei Monaten dann der Schock: Die Stadtwerke sperrten den Löhns Wasser und Strom. Der so nett scheinende Vermieter hatte, trotz mehrfacher Aufforderung, die von den Löhns treulich bezahlten Nebenkosten nicht abgeführt und blieb bis auf weiteres verschwunden. Die Ermittlungen laufen. Mit Hilfe der Behörden konnte eine Abmachung mit den Stadtwerken getroffen werden, dass Strom und Wasser wieder fließen, allerding muss die Familie, zuzüglich zu den neuen Nebenkosten, einen Teil der noch geschuldeten Beträge für die vergangenen Monate abtragen. Deshalb spart die Familie wo sie kann und regelt die Heizung so weit wie möglich runter. Gleichzeitig suchen die Eltern eine neue Bleibe, denn die Rechtsunsicherheit, die durch das Verschwinden des Vermieters entstanden ist, wirkt sich möglicherweise auch auf das Mietverhältnis aus – „und außerdem möchten wir unter diesen Umständen natürlich so schnell wie möglich weg.“

Aktuell gibt es tatsächlich eine konkrete Aussicht auf eine passende Wohnung. Allerdings sind die Böden darin völlig zerschlissen, so dass neue Bodenbeläge nötig werden und jetzt hat auch noch die altersschwache Waschmaschine ihren Geist aufgegeben. „Wir wissen wirklich nicht, wie und wo wir in diesem Jahr Weihnachten feiern.“

Von Doris Hennies