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Celle Stadt Mitmenschen in Not: Cellerin lebt auf kleinstem Fuß
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mitmenschen in Not: Cellerin lebt auf kleinstem Fuß
16:29 29.12.2017
Celle Stadt

Das Schicksal von Erika Bremer steht exemplarisch für jene Fälle, in denen die CZ-Weihnachtsaktion „Mitmenschen in Not“ helfen will.

Erika Bremer kommt aus bescheidenen Verhältnissen, hat die Hauptschule abgeschlossen und hat anschließend in einem fremden Haushalt gearbeitet. Sie hat jung geheiratet, drei Kinder bekommen und groß gezogen, sich um Wohnung, Erziehung und Schrebergarten gekümmert, in dem sie Obst und Gemüse für den Eigengebrauch gezogen hat.

Ihr Mann war Arbeiter in einem ortsansässigen Unternehmen – als er noch jünger war im Schichtwechsel. „Wir haben nie große Sprünge machen können, aber wir kamen stets ohne fremde Hilfe zurecht“, sagt Erika Bremer.

Mehr als 25 Jahre lebt Erika Bremer in den zweieinhalb Zimmern mit Balkon eines Wohnblocks, sozialer Wohnungsbau. In der Nachbarschaft kennt sie kaum noch jemanden, die Alten sind gestorben, leben im Pflegeheim oder sind weggezogen. Trotzdem geben ihr die vertrauten vier Wände Trost – in einer Zeit, in der sich so viel geändert hat.

Erika Bremer erzählt: „Als Ernst noch gelebt hat, hat unsere Rente auch für eine Tagesfahrt mit dem Bus gereicht. Auf neue Stiefel oder einen neuen Mantel hat man schon ein bisschen gespart." Sie betont: "Aber im Kühlschrank gab es stets was zu essen, Wohnung und Nebenkosten waren bezahlt und auch das Hörgerät von Ernst und unsere Brillen konnten wir Dank der Zusatzwerkversicherung noch bezahlen.“

Mit dem plötzlichen Tod ihres Mannes hat sich das alles geändert. Heute sitzt die 72-Jährige mit doppelter Strickjacke bei 17 Grad Raumtemperatur um Heizkosten zu sparen auf dem Sofa – der altersschwache Fernseher ist die einzige Unterhaltungsquelle. Wenn ihre alte Bekannte Luise sie auffordert, sich mal wieder im Café zu treffen, erfindet sie eine Ausrede, weil sie ihr Stück Torte nicht mehr bezahlen kann.

Sie kennt genau die Zeiten, wann die Ware beim Billig-Discounter wegen des ablaufenden Haltbarkeitsdatums herabgesetzt wird. Von ihren Winterstiefeln löst sich die Sohle – nach Silvester will sie versuchen, im Sozialkaufhaus neue zu finden. Die neue Rentenzahlung wird dennoch nicht für im neuen Jahr zu erwartenden Abschlagsrechnungen reichen.

Den Antrag auf amtliche Unterstützung hat sie zu Hause schon liegen – bisher hat sie gezögert ihn auszufüllen und abzuschicken. Zu groß ist die Scham, nach einem selbstbestimmten Leben voller Arbeit, jetzt „zum Sozialfall“ zu werden.

Von Doris Hennies