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Celle Stadt Mitmenschen in Not: Kein Besuch zu Weihnachten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mitmenschen in Not: Kein Besuch zu Weihnachten
14:31 27.12.2016
Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Emmi Meisel lebt allein, in der Wohnung, in die sie vor fast 30 Jahren mit ihrem Mann gezogen ist, nachdem ihre drei Kinder „flügge geworden“ waren. Ihr Mann ist vor fünf Jahren gestorben. Zahlreiche Fotos auf der Anrichte erinnern an ihn – und an alle anderen Familienmitglieder: Die Tochter, die mit den beiden Enkelkindern in Amerika lebt, die beiden Söhne – beide leben hunderte Kilometer von Celle entfernt. Eigentlich kann sie sich die Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung längst nicht mehr leisten, nach der jüngsten Komplettsanierung hat die Hausgesellschaft die Mieten erhöht und die kleine Witwenrente reicht kaum für die Miete und zum Leben.

In den beiden vergangenen Jahren hat ihr ältester Sohn den Ausgleich der Nebenkostenabrechnung übernommen – auch in diesem Jahr wird es tun. So kann die Mutter in der ihr vertrauten Umgebung bleiben, solange sie es gesundheitlich schafft. „Einen alten Baum verpflanzt man nicht,“ sagt die Seniorin. Emmis Mann Horst war Handwerker. Er arbeitete, sie machte den Haushalt und versorgte die drei Kinder. Im Rentenalter sind die Meisels noch einmal umgezogen, weil die alte Wohnung ohne Kinder zu groß und zu teuer geworden ist. „Es war schlimm für mich – ich hatte so viele Erinnerungen an den Ort, an die Nachbarn. Ich tue mich schwer mit Veränderungen, baue ein Nest, das ich nicht verlassen will.“

Deshalb spart Emmi Meisel wo sie kann, um ihre Wohnung zu erhalten. Einmal in der Woche geht sie mit einer Bekannten zur Tafel zum Mittagessen. „Erst hab ich mich geniert, aber Paula hat mich einfach mitgeschleppt und gemeint, dort treffe man viele Senioren, denen es nicht anders geht als uns.“ Am Sonntag besucht sie den Gottesdienst und genießt im Anschluss daran den Kirchenkaffee. Auch ein paar Adventskonzerte habe sie heuer schon miterleben dürfen – „der Pastor lässt mich auch ohne Eintritt rein“. Wirklich schön sei auch die Weihnachtsfeier für Senioren der Kirchengemeinde gewesen.

Emmis Augen werden schlechter und auch ihre Haut wird stellenweise so trocken, dass sich Ekzeme bilden. Sie leidet unter Alterszucker, nimmt Medikamente – aber nicht alles übernimmt die Krankenkasse. Die Salben und Pflegeprodukte, die sie nehmen müsste, sind teuer. Ihre Kinder haben in diesem Jahr ein paar Tuben davon ins Weihnachtspäckchen gepackt. Besucht hat sie keiner – „sie haben alle eben selbst so viel um die Ohren“.

Von Doris Hennies